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„Genial Dagegen“ von Robert Misik

Posted: Januar 20th, 2010 | Author: Gregor Landwehr | Filed under: Rezensionen | 28 Comments »

„Kritisches Denken von Marx bis Michael Moore“ verspricht der Autor Robert Misik auf seinem Buchcover. Im Grunde geht es dem linken Publizisten darum, zu zeigen, warum es so schwierig ist, auf kluge weise links zu sein. Er stellt verschiedene Denkschulen von Karl Marx über Antonio Negri, Andreas Baader, Slavoj Zizek bis Michael Moore vor. Dabei analysiert er „Der Neoliberale schließlich belustigt sich über Gedankenspiele aller Art, denn die Realität richtet sich nach Ihrer eigenen Logik: Gegen die mächtige Kraft der kapitalistischen Selbstbewegung kommt niemand an, ist er sich gewiß, und schon gar nicht gemand, der komplizierte Ideen wälzt. Solchen Marktpropheten gelten schon geerdete Typen wie beispielsweise Oskar Lafontaine als abgehobene und realitätsfremd, Leute wie Negri oder Zizek kreisen für sie gewissermaßen in einer anderen Galaxie.“ Und wie gut, so könnte man denken, dass sich Misik in diese Galaxien begeben hat. Denn der eigentlich Nutzen dieses Buches ist, dass er in den einzelnen Kapiteln einen guten über Blick über die genannten Theoretiker gibt. Eine komprimierte, stimmige Zusammenfassung, welche über die teils recht weit hergeholte Analyse von Misik den wirklich lesenswerte Teil ausmacht. Das Buch ist im Aufbau Verlag erschienen und kostet 8,50 Euro.

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Erika Steinbach und die Medien

Posted: Januar 17th, 2010 | Author: Gregor Landwehr | Filed under: Allgemeines | Tags: , , | 20 Comments »

Erika Steinbach in den Medien

Erika Steinbach in den Medien

Ein Saal im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. Es ist die Bundesdelegiertentagung der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung der CDU/CSU, kurz OMV. Auf dem Podium eine Frau mit roter Jacke und blonden Haaren. Ihr Name ruft in Polen oft wenig freundliche Worte hervor, in Deutschland kennen sie viele gar nicht: Erika Steinbach ist CDU-Abgeordnete und Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV). An diesem Nachmittag in Berlin ist sie unter Freunden, doch im Alltag hat sie nicht viele Freunde, auch nicht in den eigenen Reihen.

Die CDU und FDP entzweite sie. Während Angela Merkel das Thema am liebsten aussitzen würde, sagte Außenminister Westerwelle, sie solle nicht aus „persönlichem Interesse“ auf ihrem Platz im Stiftungsbeirat bestehen. Im Januar erklärte Steinbach jetzt auf das Angebot für jenen Sitz in der Stiftung zu verzichten.
Dabei ist Steinbachs Angebot keineswegs uneigennützig. Sie stellt zwar ihre persönlichen Interessen hinten an, mit den Forderungen die sie stellt, würde der BdV aber gestärkt werden. So verlangt Steinbach die Aufstockung der bisher drei BdV-Sitze im Stiftungsrat und kein Veto-Recht des Bundeskabinetts bei deren Besetzung.

Das Medieninteresse war enorm: Die Nachricht erschien in mehr als 350 Artikeln, das waren mehr als im vergangenen November. Doch was die Zeitungen und die Berliner Republik beschäftigt wird in den Blogs kauf aufgegriffen. Etwa 50 Artikel in Zusammenhang mit Steinbachs neuster Entscheidung können hier gezählt werden. Am häufigsten berichtet Focus mit 68 Artikeln, bei der Süddeutschen sind es immerhin noch 31 und bei Spiegel 28 in den vergangenen 12 Monaten.
Die häufigsten Worte die sich in den Überschriften der aktuellen Berichterstattung finden sind Worte wie „Blockade“, „Hämgepartie“ und „Verzicht“. Besonders beliebt war eine DPA-Meldung vom 4. Januar: „Steinbach will Blockade lösen - Verzicht offen“ wurde 21 mal übernommen.



Kabinettsranking: Wo ist die Kanzlerin?

Posted: Januar 15th, 2010 | Author: Gregor Landwehr | Filed under: Kabinetts-Ranking | Tags: , , | 29 Comments »

Das Kabinett Medienranking

  • 1 1 Guido Westerwelle
    Außenminister
    mit 1837 aktuellen Erwähnungen
  • 2 1 Angela Merkel
    Bundeskanzlerin
    mit 1400 aktuellen Erwähnungen
  • 3 Karl-Theodor zu Guttenberg
    Verteidigungsminister
    mit 512 aktuellen Erwähnungen
  • 4 3 Wolfgang Schäuble
    Finanzminister
    mit 456 aktuellen Erwähnungen
  • 5 1 Dirk Niebel
    Entwicklungshilfeminister
    mit 366 aktuellen Erwähnungen
  • 6 1 Rainer Brüderle
    Wirtschaftsminister
    mit 311 aktuellen Erwähnungen
  • 7 6 Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
    Justizminsterin
    mit 222 aktuellen Erwähnungen
  • 8 3 Ilse Aigner
    Landwirtschaftsministerin
    mit 208 aktuellen Erwähnungen
  • 9 Kristina Köhler
    Familienministerin
    mit 197 aktuellen Erwähnungen
  • 10 2 Ursula von der Leyen
    Arbeitsministerin
    mit 189 aktuellen Erwähnungen
  • 11 1 Philipp Rösler
    Gesundheitsminister
    mit 170 aktuellen Erwähnungen
  • 11 4 Peter Ramsauer
    Verkehrsminister
    mit 170 aktuellen Erwähnungen
  • 13 3 Ronald Pofalla
    Chef des Kanzleramtes
    mit 141 aktuellen Erwähnungen
  • 14 10 Thomas de Maizière
    Innenminister
    mit 129 aktuellen Erwähnungen
  • 15 3 Annette Schavan
    Bildungsministerin
    mit 100 aktuellen Erwähnungen
  • 16 2 Norbert Röttgen
    Umweltminister
    mit 79 aktuellen Erwähnungen
  • Auswertung vom 03.01.2010 - 10.01.2010, erstellt mit blueReport

Diese Frage kann man sich stellen, seit wir das Jahr 2010 schreiben. Erstmals verlieren CDU und FDP in den Umfragen ihre Mehrheit, Finanzminister Schäuble präsentiert seine Sparpläne und die CSU tagt im verschneiten Wildbad Kreuth. Nur Merkel äußert sich nicht. Und trotzdem kommt sie auf den zweiten Platz im Medienranking.

Es wird zwar viel über sie berichtet, doch wie lange will sie noch schweigen? Auch wenn außenpolitische Themen wie der Jemen und das Erdbeben in Haiti die Berichterstattung bestimmen: Die große Koalition ist vorbei! Kanzlerin sein hat auch etwas mit Der Kanzlerkompetenz zu tun. Wie lange Merkel Ihren moderierenden Stil, der so ausgleichend ist, dass sich am Ende gar nichts mehr bewegt, durchhalten kann, ist die Frage.

Absteiger der Woche ist übrigens Thomas de Maiziére. Erst noch wegen neuer Nacktscanner gefragt ging es jetzt zehn Plätze runter, aber immer noch vor der Bildungsminister und dem Umweltminister, der in dieser Woche das Schlusslicht bildet.



Gott per Mausklick-Kirche wächst im Web 2.0 gegen den Trend

Posted: Januar 13th, 2010 | Author: Jan Thomas Otte | Filed under: Allgemeines | Tags: , | 1 Comment »

Die Renaissance der Religionen findet vor allem außerhalb der etablierten Kirchen in Europa statt. Daher brechen einige Ortsgemeinden dorthin auf, wo sie noch unerreichte Zielgruppen vermuten. Im Internet-Simulator Second Life zum Beispiel. Dort geht es um die Traditionen des Abendlandes: Gebet, Bibel-Lese und Beichte.

Die virtuelle Kirche von St. Georg in Second Life. (Bild: PD)

Die virtuelle Kirche von St. Georg in Second Life. (Bild: PD)

Die Kirche St. Georg steht auf der Insel Reichenau im Bodensee, nahe Konstanz. Dort haben sich Internet-Christen im Oktober getroffen. Zum ersten Mal im realen Leben, sonst tun sie das virtuell. Angereist sind Menschen zwischen 30 und 50 Jahren. «Wir sind eine echte Kerngemeinde, eine Community», sagt Dr. Norbert Kebekus von der Erzdiozöse Freiburg. Zusammen mit sechs Ehrenamtlichen betreut er das Internetprojekt seit dem Start Anfang November 2008.

Zwischen acht und 14 Nutzer loggen sich in den Abendstunden ein und besuchen St. Georg. Als Avatare, selbst gestaltete menschliche Computerfiguren, bewegen sie sich durch die virtuelle dreidimensionale Welt des «Second Life» (zweites Leben), die seit 2003 verfügbar ist. «Viele kommen aus der Region. Aber auch die Schweiz und Nordfriesland sind mit dabei», sagt Kebekus. Auch habe es schon manche US-Amerikaner in die Online-Kirche verschlagen, die «einfach mal neugierig» gewesen seien. Behinderte, die es körperlich nicht in die nächste Kirche schaffen, kämen ebenfalls gerne.

Ein regelmäßiges Angebot wie das der virtuellen St.-Georgs-Kirche aber gab es noch nie im deutschsprachigen Raum. Der Bibelkreis trifft sich zweimal im Monat mittwochs, zweimal die Woche gibt es ein gemeinsames Abendgebet. «Wir wollen keine Konkurrenz zum Gottesdienst im echten Leben sein», sagt Kebekus. Der Seelsorger und sein Team sehen ihre Aufgabe darin, Angebote der Ortsgemeinden zu ergänzen. «Wir spenden keine Sakramente, auch kann ich keinen Avatar taufen».

In der Online-Kirche treffen sich Gläubige und Suchende zwischen 20 und 72 Jahren. «Wir teilen unseren Glauben mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen», sagt der 50-jährige Kebekus. Er selbst hätte seinen Avatar gerne etwas älter gestaltet, aber «im Second Life gibt es leider keine Falten». Ende 2010 will der Betreiber des Pilotprojekts «Kirche in virtuellen Welten», die Erzdiözese Freiburg, über ein längerfristiges Engagement entscheiden. Bis dahin möchte Kebekus das Grundstück im «Second Life» ausbauen, mit anderen Portalen vernetzen und manche technische Hürde seiner Besucher noch meistern.

Die virtuelle St.-Georgs-Kirche bietet auch theologische Themenabende an. Kürzlich ging es um «Himmel und Hölle». Über das Fegefeuer zu reden, das widerspreche doch dem Vorurteil, im Netz könne man nur seichtere Fragen beantworten, urteilt Kebekus. Er will dem Nächsten dienen, Zeugnis für Jesus Christus sein und die frohe Botschaft verkünden: «Wir sind nicht irgendein Kuschelklub im Netz.»

Dieser Artikel ist auch bei NZZ Online erschienen.



Außenminister auf Reisen

Posted: Januar 13th, 2010 | Author: Gregor Landwehr | Filed under: Allgemeines | Tags: , | 40 Comments »

Wie der Deutsche Außenminister mit seinen Antrittsbesuchen Akzente setzt

Mit dem Außenministeramt steht der FDP-Politiker Guido Westerwelle am Ziel seiner politischen Karriere. Er stellt sich in eine Reihe von drei FDP-Größen, die vor ihm dieses Amt bekleidet hatte – und wirkte dabei bei seinen ersten Auftritten wie ein staunendes Kind, das seinen eigenen Erfolg noch nicht so recht fassen kann. Doch gleich mit seiner ersten Reise setzte der neue Minister ein Zeichen.

Nicht wie sonst üblich nach Frankreich, sondern nach Polen führte Westerwelle seine erste Reise. Auch der Koalitionsvertrag misst den Deutsch-Polnischen Beziehungen eine große Bedeutung zu, daher war die Wahl nur konsequent. Eine langfristiges mediales Interesse für die Deutsch-Polnischen Beziehungen lässt sich nicht erkennen. In direktem Zusammenhang mit dem Besuch gab es rund 200 Nennungen, darüber hinaus spielt das Thema allerdings kaum eine Rolle.
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Deutsch-Polnische Beziehungen werden immer wichtiger
In Polen selbst werden die nachbarschaftlichen Beziehungen zu Deutschland viel stärker wahrgenommen. „Die Mehrheit von Polen schätzt die Deutsch-Polnischen Beziehungen gut oder sehr gut ein“, sagt die Wissenschaftlerin Agnieszka Łada. Diese Zahl sinke aber seit ein paar Jahren (von 81% im Jahr 2000 bis zu 57% im 2009). Gleichzeitig wächst die Zahl der Personen, die diesen Beziehungen eine eher schlechte oder sehr schlechte Note geben (von 6% im Jahr 2000 bis zu 26% heute). Immer weniger Polen messen aber dem Zweiten Weltkrieg einen starken Einfluss auf die Deutsch-Polnischen Beziehungen zu, so das Ergebnis einer Studie des Instytut Spraw Publicznych aus Warschau.

In der Zeit rund um den Beitritt Polens zur EU wurden die Beziehungen am positivsten bewertet. Der Grund dafür dürfte in der Unterstützung aus Berlin auf dem Weg in die EU gelegen haben. Jetzt, fünf Jahre nach dem Beitritt Polens in die EU, sind manche Probleme in den Beziehungen zwischen Warschau und Berlin immer noch aktuell und werden von der polnischen Gesellschaft wieder verstärkt wahrgenommen.
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Traditionelle Beziehungen sind weiterhin medial präsent

Seine zweite Reise ging für Guido Westerwelle nach Paris. Die Deutsch-Französische Freundschaft hat in der Bundesrepublik eine lange Tradition. Seit dem Élysée-Vertrag sind Regierungskonsultationen zwischen beiden Ländern festgeschrieben. Seit 1963 finden die Beratungen statt. Auch in der medialen Wahrnehmung ist das Thema dauerhaft präsenter als die Beziehungen zu Polen. Das gilt auch für die USA, die dritte Reise für den Deutschen Außenminister.

Es folgten Visiten in Groß Britannien, Afghanistan und Moskau. Die Reise mit dem größten medialen Widerhall war allerdings der Besuch in Israel.
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Ähnlich wie bei seinem Polenbesuch gab es hier rund 200 Artikel. Damit sind die Akzente in der medialen Aufmerksamkeit klar verteilt. Während schon lange bestehende Beziehungen zum Teil zur Gewohnheit geworden sind werden Kontakte nach Israel und Polen noch wesentlich stärker wahrgenommen und beobachtet. Zum Vergleich: Der Besuch in der Schweiz am 12. November brachte nur rund 35 Artikel. So ist die Medienauswertung auch ein Gradmesser für den Stand der auswärtigen Beziehungen eines Landes.

Dieser Artikel ist auch bei NZZ Online erschienen.