politReport.de Parteien-IndexpolitReport.de Parteivorsitzende in den Medien

Mixas Ignoranz wäscht Käßmanns Weste rein

Posted: Mai 15th, 2010 | Author: Jochen Barthel | Filed under: Allgemeines | Tags: , |
chart_kasmann-mixa

Rücktritt (rot) und Alkoholfahrt (grün) von Margot Käßmann im medialen Vergleich zu den Missbrauchsvorwürfen in der katholischen Kirche (blau) und dem Rücktritt Mixas (orange)

Dass er ein paar Watsch’n nicht ausschließen könne, war die Aussage, mit der der zurückgetretene Bischof von Augsburg, Walter Mixa, begann, auf den rechten Weg zurückzufinden. Zuvor waren die Misshandlungs- und Missbrauchsvorwürfe gegen ihn immer lauter geworden. Am 21. April war es endgültig vorbei mit der urkatholischen Taktik des Aussitzens. Mixa bot seinen Rücktritt an, den der Papst am 8. Mai zunächst ohne großes Aufhebens hinnahm.
Die katholische Rhetorik war bis dahin wirklich bemerkenswert. Nicht nur, dass Mixa der 68er Revolution eine Mitschuld für die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche gibt. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, spricht das Blatt Kirche heute sogar von einer „medialen Hinrichtung“ und zieht Vergleiche zu Heiligen, deren Wirken zu deren Lebzeiten doch so oft unverstanden blieb. Mixa wird zum Opfer stilisiert, der Spieß wird umgedreht, schämen sollen sich die anderen.
Vatikan beugt sich dem medialen Druck
Und ja, der mediale Druck war enorm. Nachdem die Vorfälle am Berliner Canisius-Kolleg bekannt wurden, begann eine mediale Berichterstattung, die bis heute nicht zu Ende diskutiert ist. In verschiedenen Wellen ist das Thema in den Medien stets präsent, und wird auch nicht von anderen Themen verdrängt. In diesem Zusammenhang jedoch von einer Kampagne zu sprechen, wäre völlig falsch. Schließlich haben immer neue Verdachtsfälle und Beschuldigungen das Thema angeheizt. Das Thema blieb auf der Tagesordnung, weil die Abgründe des Missbrauchsskandals immer einen Deut tiefer waren, als man es noch am Vortag erwartet hatte. Sowohl die Medien als auch die Kirche konnten das Thema nicht ignorieren, wodurch der Druck auf Mixa, dem wohl prominentesten Beschuldigten, deutlich anstieg. Erst mit seinem Rücktrittsangebot begann sich die Diskussion zu beruhigen. Mittlerweile sieht man die Gründe für das Fehlverhalten einiger Geistlicher selbst im Vatikan als internes Problem der katholischen Kirche. Papst Benedikt XVI. distanzierte sich am Dienstag zu Beginn seiner Portugalreise von den Vorwürfen, die katholische Kirche sei Opfer einer Medienkampagne geworden. Die konsequente Berichterstattung hat zu solcherlei Einsichten ein gutes Quäntchen beigetragen.
Von Käßmann straucheln lernen
Verwunderlich ist, dass man im Vatikan nicht verstand, wie ein Skandal klein gehalten werden kann, wenn man nur schnell die entsprechenden Konsequenzen zieht. Umso verwunderlicher, weil etwa zeitgleich mit Aufkommen der ersten Missbrauchsvorwürfe ein weiterer Skandal die Gläubigen erschütterte: die Alkoholfahrt der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann. Zwar schlug auch dieses Ereignis hohe Wellen, der sofortige Rücktritt ließ jedoch keine weitere Diskussionen zu. Auch wenn es sich im Gegensatz zu den Vorfällen in der katholischen Kirche hierbei um einen Einzelfall handelt, so wird doch klar, dass man eine Diskussion nicht beenden kann, indem man sie ignoriert. Das weiß jetzt auch der Papst.



One Comment on “Mixas Ignoranz wäscht Käßmanns Weste rein”

  1. 1 ebook leser said at 14:49 on Mai 15th, 2010:

    Leider habe ich eben erst mitbekommen, dass unter großem Zuschauerandrang die wegen einer Alkoholfahrt zurückgetretene evangelische Bischöfin Margot Käßmann in München ihr Buch “Das große Du“ vorgestellt. Ich glaube auf dieses Buch warte ich nicht, bis es als eBook erscheint sondern hole es mir in Papierform. Ich bin da echt gespannt ob Käßmann ihre letzten Erlebnisse in diesem Buch aufarbeitet.


Leave a Reply