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Die Meinungsmacher: Im Hauptstadtjournalismus nichts Neues

Posted: Juli 25th, 2010 | Author: Gregor Landwehr | Filed under: Europawahl, Rezensionen | Tags: , , , | 3 Comments »

meinungsmacherWenn man ein Buch mit dem Titel „Die Meinungsmacher“ schreibt in dem es um die Hauptstadt-Journalisten geht, und dies mit dem Untertitel „Die Verwahrlosung de Hauptstadtjournalismus“ versieht, dann ist eigentlich schon vor dem lesen klar, was einen erwartet. Und so ist es auch keine Überraschung das die Autoren Leif Kramp und Stephan Weichert ein Bild zeichnen, dass zeigt, wie schlecht es um den Journalismus in Berlin bestellt ist. Da sind die Alphajournalisten, die sich ständig um sich selbst drehen, da sind Meinungskartelle und Absprachen, da sind die neuen Medien und die alten Talkshows. Und über all diesem Abgesang schwebt ein ständiges „damals in Bonn war alles besser.“

Wer sich ein wenig in Berlin und in der Medienbranche auskennt, der wird in dem Buch wenig neues entdecken. Da ist nichts, was nicht so, oder so ähnlich, schon einmal geschrieben worden ist. Dabei bleiben die Autor fast ausschließlich auf der Ebene des beschreibenden. Das ist zwar durchaus unterhaltsam geschrieben und lässt sich gut lesen, geht aber selten in die Tiefe. Immer wieder tauchen in dem Text Äußerungen auf, welche bei Interviews mit Journalisten entstanden sind, die eine der Grundlagen für das Buch waren.

Am Ende liefern die Autoren noch 10 Thesen „für einen besseren Hauptstadtjournalismus.“ Und darin, etwa bei dem Punkt „Hauptstadtjournalismus braucht Leitwölfe und Vorbilder“, revidieren die Autoren dann teilweise das, was sie auf rund 220 Seiten vorher mit einen häufig etwas pseudoinvestigativen Unterton kritisiert hatten. Angesprochen werden natürlich auch das Internet und Blogs. Das wäre eine Chance gewesen, bei dem Thema wirklich neue Akzente zu setzten. Doch diese Chance vergeben Kramp und Weichert.
Das Buch aus dem Verlag Hofmann & Campe hat rund 300 Seiten und kostet 20 Euro.



Ungemütliche Signale vor dem Jahresurlaub

Posted: Juli 21st, 2010 | Author: Simone Wagner | Filed under: Allgemeines, Kabinetts-Ranking | Tags: , | 1 Comment »

Das Kabinett Medienranking

  • 1 Angela Merkel
    Bundeskanzlerin
    mit 2666 aktuellen Erwähnungen
  • 2 4 Kristina Schröder
    Familienministerin
    mit 906 aktuellen Erwähnungen
  • 3 1 Guido Westerwelle
    Außenminister
    mit 708 aktuellen Erwähnungen
  • 4 3 Rainer Brüderle
    Wirtschaftsminister
    mit 549 aktuellen Erwähnungen
  • 5 9 Philipp Rösler
    Gesundheitsminister
    mit 497 aktuellen Erwähnungen
  • 6 3 Wolfgang Schäuble
    Finanzminister
    mit 432 aktuellen Erwähnungen
  • 7 2 Ursula von der Leyen
    Arbeitsministerin
    mit 385 aktuellen Erwähnungen
  • 8 2 Karl-Theodor zu Guttenberg
    Verteidigungsminister
    mit 223 aktuellen Erwähnungen
  • 9 1 Dirk Niebel
    Entwicklungshilfeminister
    mit 215 aktuellen Erwähnungen
  • 10 5 Thomas de Maizière
    Innenminister
    mit 191 aktuellen Erwähnungen
  • 11 Norbert Röttgen
    Umweltminister
    mit 164 aktuellen Erwähnungen
  • 12 Ilse Aigner
    Landwirtschaftsministerin
    mit 152 aktuellen Erwähnungen
  • 13 Peter Ramsauer
    Verkehrsminister
    mit 147 aktuellen Erwähnungen
  • 14 1 Annette Schavan
    Bildungsministerin
    mit 125 aktuellen Erwähnungen
  • 15 11 Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
    Justizminsterin
    mit 115 aktuellen Erwähnungen
  • 16 Ronald Pofalla
    Chef des Kanzleramtes
    mit 53 aktuellen Erwähnungen
  • Auswertung vom 28.06.2010 - 05.07.2010, erstellt mit blueReport

Für die einen ist es die Sommerpause, für die anderen die Ruhe vor dem Sturm. Auch wenn sich Angela Merkel heute noch optimistisch auf der letzten Pressekonferenz vor der parlamentarischen Sommerpause präsentierte, der Herbst muss nicht zur Kuschelzeit für die Koalition werden.

FDP und CSU wetterten in der vergangenen Woche einheitlich wie selten gegen die Vorschläge von Familienministerin Schröder zur Neuregelung des Elterngeldes. Wie den Empfängern des Arbeitslosengeldes II soll nun auch so genannten „Aufstockern“ der Sockelbetrag von 300 Euro gestrichen werden. Angesichts der Tatsache, dass das Elterngeld zur Förderung berufstätiger Eltern gedacht ist und die (an dieser Stelle stets angeführte) nicht berufstätige Arztgattin der Betrag weiterhin zustehen soll, eine schwierige Angelegenheit. Das finden zumindest die Kritiker aus den eigenen Reihen, von SPD, den Linken und den Grünen ganz zu schweigen. Die Vorwürfe von allen Seiten brachten Kristina Schröder auf Platz 2 des Rankings.

Auch die aktuellen Umfragewerte sehen keinen Sonnenschein für die Koalition. Spiegel-Online titelte heute mit einer Rot-Grünen Mehrheit.
Man kann Angela Merkel nur einen schönen Urlaub und erfolgreiches Ressourcen-Auftanken wünschen… Die Diskussionen zum Sparpaket stehen schließlich nach der Sommerfrische auch noch an.



Ole von Beust: Rücktritt nach gescheiterter Schulreform

Posted: Juli 20th, 2010 | Author: Simone Wagner | Filed under: Allgemeines | 1 Comment »

Eine gescheiterte Schulreform in Hamburg und der mittlerweile sechste CDU-Ministerpräsident, der die Segel streicht. Beides passierte an einem Wochenende, offiziell das eine als Konsequenz des anderen. Aber so richtig sehen möchte diesen kausalen Zusammenhang niemand. Der Rücktritt von Ole von Beust hat eine immense mediale Resonanz auch losgelöst von der gescheiterten Schulreform. Hatte er einfach nur keine Lust mehr? War er schlicht amtsmüde und der Volksentscheid jetzt eine “passende Gelegenheit”?
Seine Medienpräsenz in den vergangenen Wochen hielt sich jedenfalls stark in Grenzen. Wenn überhaupt wurde im Zusammenhang mit der Schulreform über ihn berichtet. Andere Themen konnte oder wollte er wohl schon lange nicht mehr in die Diskussion einbringen.

Ole von Beust (blau) war in den vergangenen Wochen nur noch im Zusammenhang mit der Schulreform (rot) in den Online-Medien präsent. Das zeigt auch der Vergleich der Nennungen von Beusts ohne gleichzeitigen Bezug zur Reform oder dem Volksentscheid (orange).

Ole von Beust (blau) war in den vergangenen Wochen nur noch im Zusammenhang mit der Schulreform (rot) in den Online-Medien präsent. Das zeigt auch der Vergleich der Nennungen von Beusts ohne gleichzeitigen Bezug zur Reform oder dem Volksentscheid (orange).



BP steht mal wieder kurz vor der Lösung?

Posted: Juli 13th, 2010 | Author: Simone Wagner | Filed under: Allgemeines | 24 Comments »

Eine Absaugkappe soll die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko nun also richten. Zumindest meldete die PR-Abteilung dies heute als Fortschritt im Kampf gegen die Ölpest. Deratige Nachrichten sind alles andere als neu. Seit April gab es immer wieder neue Meldungen, die das Ende der Ölpest oder zumindest einen Stop des austretenden Öls verkündeten.

BP meldete mehr als einmal die Ölpest fast gestoppt zu haben.

Online-Medienpräsenz von BP im Zusammenhang mit einer potentiellen Lösung und dem Stop der Ölkrise im Golf von Mexiko.

Will da jemand noch schnell eine gute Nachricht vor der Sommerpause verbreiten oder ist das tatsächlich ein seriöser Lösungsansatz? BP gibt an, über den Erfolg des Einsatzes erst in sechs Wochen endgültig Auskunft geben zu können…



Hitler-Stalin-Vergleich: Verbalausfall mit Folgen und Vorgeschichte

Posted: Juli 2nd, 2010 | Author: Simone Wagner | Filed under: Allgemeines | Tags: , | 1 Comment »

Christian Wulff wird heute Nachmittag als neuer Bundespräsident vereidigt werden und die Nominierung Gaucks hat der SPD und den Grünen alles andere als geschadet. Und die Linken? Die gehen auch aufgrund der Äußerungen von Diehter Dehm mit einem handfesten Skandal aus der Wahl.

Am Rande der Bundesversammlung hatte Dehm dem ZDF gegenüber gesagt: “Was würden Sie denn machen, Sie hätten die Wahl zwischen Stalin und Hitler (…)”. Claudia Roth bezeichnete dies gegenüber der NZZ Online als “Tiefpunkt demokratischer Kultur”.

Medial schlug die Äußerung innerhalb kürzester Zeit große Wellen. Allein gestern wurde der Verweis über 700 Mal bei Twitter erwähnt.

Dehm-Äußerung bei in Blogs (grün), klassischen Online Medien (gelb) und bei Twitter (blau).

Dehm-Äußerung bei in Blogs (grün), klassischen Online Medien (gelb) und bei Twitter (blau).

Frank-Walter Steinmeier verkündete auf allen Kanälen inklusive Facebook seine Empörung:

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Diehter Dehm hat sich mittlerweile entschuldigt. Die Vorgeschichte der beiden Männer, Gauck und Dehm, verleiht der Angelegenheit aber noch einen zusätzlich unangenehmen Beigeschmack. Der Liedermacher Dehm war 1996 mit der Gauck-Behörde aufgrund seiner Vergangenheit als inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit in Konflikt geraten. .Damals hatte Gauck die Vorwürfe als “glaubwürdig” bezeichnet. Dehm hatte daraufhin angekündigt, den Leiter der Behörde verklagen zu wollen.

Trotz aller Distanzierung auch aus den eigenen Reihen, werfen die Ereignisse kein gutes Licht auf die Vergangenheitsbewältigung der Linken. Ob es bei einem kurzen medialen Aufflammen bleibt oder die Linkspartei langfristig Schaden genommen hat, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen.