Wintereinbruch ist keine höhere Gewalt
Wenn in Island der Vulkan unter dem Eyjafjallajökull ausbricht und Asche spuckt, wenn die OPEC die Ölfördermenge drosselt oder auch wenn festgefahrene Tarifverhandlungen zu Streiks führen, dann kann es zum Erliegen des Verkehrs kommen. Man steckt fest und es geht nicht vor und nicht zurück. Aber was passiert dieser Tage? Es schneit.
Natürlich können auch extreme Wetterlagen den Verkehr lahmlegen. Etwa letztes Jahr, als in Deutschland niemand damit gerechnet hat, es könnte kalt werden. Das Salz war aus, die Weichen eingefroren, nicht nur der Berliner S-Bahn-Verkehr kam zum Stehen. Der Winter 2009/2010 war auch hart. Besserung wurde gelobt. Und jetzt?
Der Winter hat gerade erst angefangen und die Deutsche Bahn versinkt schon wieder im Chaos. Das Selbstverständis als Branchenprimus ist aber schon lange dahin. Erst kürzlich verglich tagesschau.de die Deutsche Bahn mit der spanischen Gesellschaft RENFE. Ausgerechnet die Spanier sind pünktlicher und effizienter als die Deutschen. Ein Tiefschlag für das nationale Selbstbild.
Weshalb Flugzeuge bei spiegelglatten Pisten und vereisten Tragflächen nicht mehr starten, leuchtet ein. In ganz Europa herrscht deshalb Chaos. Aber wo liegt eigentlich das Problem bei der Bahn? So richtig kann das keiner sagen. Im Bild-Interview macht der Bahn-Vorstand Homburg allein das Wetter verantwortlich. Matthias Oomen, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn erkennt in solchen Aussagen eine Argumentation, die die Pannenserie auf höhere Gewalt zurückführen solle. Genau das stellt ein Wintereinbruch aber nicht dar.
Verspätungen und Ausfälle der Schweizer Bundesbahn (blau) geben im Gegensatz zu jenen der Deutschen Bahn (gelb) kaum Anlass zur medialen Klage.
Ausreden und Versäumnisse
Und in anderen Ländern? Fällt da auch Schnee. Und führt das Wetter dort auch zu solch chaotischen Verhältnissen wie in Deutschland? Betrachtet man die Berichterstattung zu Ausfällen und Verspätungen von Zügen und vergleicht die Sitaution in Deutschland etwa mit der in der Schweiz, so fällt auf, dass die Probleme in den Alpen trotz einer größeren Menge an Schnee geringer ausfallen. Homburg hat auch dafür die passende Antwort parat: Die Verkehrsdichte sei dort viel geringer als in Deutschland. Mit anderen Worten: Es wollen einfach zu viele Menschen mit der Bahn reisen. Das ist das Problem. Deshalb empfiehlt die Deutsche Bahn ihren Kunden wohl auch, momentan am besten gar nicht Zug zu fahren.
Kein Licht am Ende des Tunnels
Wir Kunden sind also selber Schuld. Wir haben das Problem nicht bei uns gesucht, sondern immer nur bei der Bahn. Jetzt sind wir aber mal dran. Im nächsten Winter muss die Bahn geschont werden. Da fahren wir eben nicht an Weihnachten sondern im Januar zu unseren Liebsten. Wir fahren mit dem Zug, wenn die Bahn bereit ist. Der wahre Grund für die Misere wird weiter ignoriert. Es ist doch so, dass nicht etwa das Wetter oder die Verkehrsdichte die Gründe für das Bahnchaos darstellen, sondern der geplante Börsengang und die Gewinne, die deshalb erzielt werden sollen. Genau das ist übrigens in der Schweiz nicht geplant. Wie schon bei der Berliner S-Bahn kommt es dadurch unweigerlich zu Versäumnissen, wie es heute sogar Verkehrsminister Ramsauer gegenüber dem Spiegel einräumt. Und was nützt das dem Kunden? Nichts. Aber die Bahn gelobt Besserung. Mal wieder.
Angela Merkel Bundeskanzlerin mit 2629 aktuellen Erwähnungen
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2↑
Norbert Röttgen Umweltminister mit 1121 aktuellen Erwähnungen
3
1↓
Guido Westerwelle Außenminister mit 1109 aktuellen Erwähnungen
4
1↑
Thomas de Maizière Innenminister mit 1086 aktuellen Erwähnungen
5
3↑
Wolfgang Schäuble Finanzminister mit 1081 aktuellen Erwähnungen
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Rainer Brüderle Wirtschaftsminister mit 863 aktuellen Erwähnungen
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4↑
Karl-Theodor zu Guttenberg Verteidigungsminister mit 734 aktuellen Erwähnungen
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5↑
Philipp Rösler Gesundheitsminister mit 538 aktuellen Erwähnungen
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Annette Schavan Bildungsministerin mit 491 aktuellen Erwähnungen
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Ursula von der Leyen Arbeitsministerin mit 388 aktuellen Erwähnungen
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Kristina Schröder Familienministerin mit 383 aktuellen Erwähnungen
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Ilse Aigner Landwirtschaftsministerin mit 348 aktuellen Erwähnungen
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Peter Ramsauer Verkehrsminister mit 318 aktuellen Erwähnungen
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Dirk Niebel Entwicklungshilfeminister mit 212 aktuellen Erwähnungen
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Sabine Leutheusser-Schnarrenberger Justizminsterin mit 169 aktuellen Erwähnungen
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Ronald Pofalla Chef des Kanzleramtes mit 34 aktuellen Erwähnungen
Auswertung vom 05.12.2010 - 12.12.2010, erstellt mit blueReport
Guido Westerwelle. Über mangelnde Medienpräsenz kann sich der Mann nur selten beschweren. Dennoch bescheinigt ihm die Illustrierte “stern”, praktisch nicht mehr statt zu finden und sich in seinen Funktionen als Parteichef und Außenminister nicht gegenüber FDP-Generalsekretär Lindner bzw. der Bundeskanzlerin profilieren zu können.
Für den dritten Rang im dieswöchigen Medienranking reicht es trotzdem - auch wenn, anders als beispielsweise im Februar, sein eigener gestalterischer Anteil deutlich niedriger ist: Prägte er die politische Debatte damals noch, indem er sein Klientel vor der “spätrömischen Dekadenz” der Transferleistungsbezieher warnte, kam ihm diesmal Parteifreund Kubicki mit dem Geschichtsvergleich zuvor und zog gewohnt flott Parallelen zwischen dem Zustand der späten FDP und dem der späten DDR. Die Medien dankens, der Parteichef wird angezählt.
Bei den anderen FDP-Ministern ergibt sich ein gespaltenes Bild: Relativ präsent sind Wirtschaftsminister Brüderle und Gesundheitsminister Philipp Rösler. Dirk Niebel und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger dagegen werden nur noch vom notorischen Ronald Pofalla unterboten, was angesichts der massiven Krise, in der sich ihre Partei befindet, nicht uninteressant ist. Wie der Politikwissenschaftler Jürgen Falter in ähnlichem Zusammenhang sagte: “Es ist eben manchmal interessanter zu beobachten, wer nichts sagt”.
Global gesehen dürfte der Zersetzungsprozess einer deutschen Kleinpartei nicht ganz so wichtig sein. Mit Umweltminister Norbert Röttgen schafft es immerhin ein Minister dank seines eigentlichen Jobs auf die Spitzenposition unterhalb der Kanzlerin. Das Top-Thema “Klimagipfel in Cancún” half ihm dabei.
Stefan Mappus Baden-Württemberg mit 879 aktuellen Erwähnungen
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1↑
Peter Müller Saarland mit 581 aktuellen Erwähnungen
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3↑
Kurt Beck Rheinland-Pfalz mit 346 aktuellen Erwähnungen
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Horst Seehofer Bayern mit 310 aktuellen Erwähnungen
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Hannelore Kraft Nordrhein-Westfalen mit 298 aktuellen Erwähnungen
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Klaus Wowereit Berlin mit 187 aktuellen Erwähnungen
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Christoph Ahlhaus Hamburg mit 151 aktuellen Erwähnungen
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Christine Lieberknecht Thüringen mit 115 aktuellen Erwähnungen
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Volker Bouffier Hessen mit 113 aktuellen Erwähnungen
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David McAllister Niedersachsen mit 98 aktuellen Erwähnungen
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Matthias Platzeck Brandenburg mit 70 aktuellen Erwähnungen
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Peter Harry Carstensen Schleswig-Holstein mit 70 aktuellen Erwähnungen
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Erwin Sellering Mecklenburg-Vorpommern mit 61 aktuellen Erwähnungen
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Wolfgang Böhmer Sachsen-Anhalt mit 51 aktuellen Erwähnungen
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Stanislaw Tillich Sachsen mit 47 aktuellen Erwähnungen
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Jens Böhrnsen Bremen mit 28 aktuellen Erwähnungen
Auswertung vom 30.11.2010 - 07.12.2010, erstellt mit blueReport
Das Jahr 2010 geht zu Ende, das zum “Superwahljahr” ausgerufene 2011 steht vor der Tür. In (mindestens) sieben Bundesländern wird in absehbarer Zeit der Wahlkampf eingeleutet - sofern dies noch nicht geschehen ist. Die Frage, inwiefern sich dies auf die Medienpräsenz der jeweiligen Landesfürsten auswirkt, wird uns in den kommenden Monaten sicher noch beschäftigen.
Für die vergangenen sieben Tage gibt es an der Spitze ein gewohntes Bild: Einmal mehr findet sich dort der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus, der im Zusammenhang mit dem Schlichterspruch zu Stuttgart 21 und den damit verbundenen Nachwehen von sich Reden machte. Der Rückkauf von Aktien des Energiekonzerns EnBW durch das Land tat da ein Übriges. Gewählt wird im Südwesten im März, der Positionierungskampf hat schon längst begonnen: Den Grünen, potentielle Koalitionspartner für die kommende Legislaturperiode, warf Mappus einen Rückfall in Protestpartei-Zeiten vor; zudem bezeichnete er sie als Populisten, mit denen man nicht regieren könne. Mappus selbst versucht mittlerweile, den Tücken des Kommunikaionszeitalters ein wenig aktiver entgegenzuwirken, und hat dafür das Internet entdeckt. Der gebürtige Pforzheimer, den im Moment bei Facebook rund 1500 Nutzer mögen, startete eine Podcast-Serie, in der er in Zukunft regelmäßig direkt zum Volk sprechen will.
Nach kurzem Intermezzo auf der Spitzenposition auf Grund des Scheiterns seiner Koalition rutschte der Erste Bürgermeister Hamburgs, Christoph Ahlhaus, auf Rang 7 ab. Wie sein südwestdeutscher Kollege arbeitet sich auch der Hanseat an der Frage ab, wie man als konservativer Spitzenkandidat mit den Grünen umzugehen hat. Im Februar tritt er gegen SPD-Mann Olaf Scholz an und wird versuchen, nicht der Bürgermeister mit der zweitkürzesten Amtszeit in den letzten 5 Jahrhunderten zu werde.
Am wenigsten Interesse erzeugte wie so oft, wenn er nicht gerade zufällig Bundespräsident ist, der Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen, der es auf nur 28 Erwähnungen brachte.
Seit Mitte November wird in Deutschland wieder über die potentielle Gefahr eines Terroranschlages diskutiert. Damals erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière, dass ab Ende November eine erhöhte Gefahr von terroristischen Anschlägen in der Bundesrepublik bestehe. Kurz darauf konkretisierte er verschiedene Bedrohungsszenarien – so erwartete er z.B. Anschläge, die dem Vorgehen 2008 in Mumbai ähneln könnten. Es war wenig überraschend, dass das Interesse der deutschen Online-Medien und Blogs sprunghaft anstieg. Dies war nicht zuletzt durch die mediale Präsenz de Maizières in den einschlägigen abendlichen Talkshows, in denen er für Wachsamkeit ohne Panik warb, begründet. Das mediale Interesse hatte allerdings eine nur geringe Halbwertszeit: Nur zwei Wochen nach dem ersten großen Aufschrei ist die Berichterstattung wieder auf das Niveau vor der Erklärung des Innenministers gesunken. Im Bereich der deutschen Online-Medien liegt es damit wieder zwischen täglich 50 und 100 Treffern zu diesem Thema.
Debatte zur Terrorgefahr und Terrorwarnungen in den deutschen Online-Medien (blau) und Blogs (grün).
Seit den jüngsten WikiLeaks-Veröffentlichungen ist bekannt, dass die Vereinigten Staaten als Anschlagziele in Deutschland, die auch die amerikanische Sicherheit gefährden könnten, vor allem transatlantische Unterseekabel und deutsche Unternehmen wie BASF und Siemens vermuten.
In der deutschen Medienöffentlichkeit wurde jedoch vor allem die Gefahr auf Bahnhöfen, im öffentlichen Verkehr und auf Weihnachtsmärkten diskutiert. Nicht zuletzt durch die Bundesinnenminister-Konferenz in Hamburg wurden aber auch Fragen nach der Einflussnahme der Terrorgefahr auf geplante Gesetze zur Vorratsdatenspeicherung laut. Laut kommunizierte Unsicherheit wäre auch in Deutschland nicht zum ersten Mal Mittel zum Zweck, mit dem umstrittene, mutmaßlich Sicherheit schaffende Gesetze durch Bundestag und Bundesrat gebracht werden. Der Bundesinnenminister wies diesen Zusammenhang zwar zurück, diskutiert wurde er in der Blogosphäre trotzdem rege.
Die Terror-Debatte in der Blogossphäre insgesamt (grün) und im Zusammenhang mit der Vorratsdatenspeicherung (schwarz), Weihnachtsmärkten (rot) und öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnhöfen (orange).
Im März 2010 hatte das Bundesverfassungsgericht die damals gültige Regelung zur Vorratsdatenspeicherung gekippt und für verfassungswidrig erklärt. Es ist kein Geheimnis, dass de Maziére sich eine Neuregelung wünscht. Die starke und intensive (mediale) Debatte zur potentiellen terroristischen Bedrohung könnte die Umsetzung – gewollt oder ungewollt – forcieren.