Die große Jagd?
Posted: Februar 28th, 2011 | Author: Simone Wagner | Filed under: Kabinetts-Ranking | 1 Comment »Das Kabinett Medienranking
-
1 → 
Karl-Theodor zu Guttenberg
Verteidigungsminister
mit 5966 aktuellen Erwähnungen -
2 → 
Angela Merkel
Bundeskanzlerin
mit 3673 aktuellen Erwähnungen -
3 → 
Guido Westerwelle
Außenminister
mit 2005 aktuellen Erwähnungen -
4 2↑ 
Ursula von der Leyen
Arbeitsministerin
mit 882 aktuellen Erwähnungen -
5 1↓ 
Wolfgang Schäuble
Finanzminister
mit 827 aktuellen Erwähnungen -
6 2↑ 
Rainer Brüderle
Wirtschaftsminister
mit 698 aktuellen Erwähnungen -
7 4↑ 
Thomas de Maizière
Innenminister
mit 429 aktuellen Erwähnungen -
8 5↑ 
Annette Schavan
Bildungsministerin
mit 325 aktuellen Erwähnungen -
9 → 
Kristina Schröder
Familienministerin
mit 301 aktuellen Erwähnungen -
10 5↓ 
Norbert Röttgen
Umweltminister
mit 291 aktuellen Erwähnungen -
11 1↑ 
Ilse Aigner
Landwirtschaftsministerin
mit 258 aktuellen Erwähnungen -
12 3↑ 
Dirk Niebel
Entwicklungshilfeminister
mit 256 aktuellen Erwähnungen -
13 3↓ 
Peter Ramsauer
Verkehrsminister
mit 252 aktuellen Erwähnungen -
14 7↓ 
Philipp Rösler
Gesundheitsminister
mit 221 aktuellen Erwähnungen -
15 1↓ 
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
Justizminsterin
mit 148 aktuellen Erwähnungen -
16 → 
Ronald Pofalla
Chef des Kanzleramtes
mit 99 aktuellen Erwähnungen
Auswertung vom 20.02.2011 - 27.02.2011, erstellt mit blueReport
Die Medienpräsenz des Verteidigungsminister ist, einmal mehr, überragend. Und wie so oft, wenn es ein Kabinettsmitglied schafft, die Bundeskanzlerin vom ersten Platz des politReport-Medienrankings zu stoßen, steht dies in Verbindung mit einem größeren Skandal. Die Causa Guttenberg ist nicht nur ein gefundenes Fressen für die deutsche, und mittlerweile auch internationale Presse, sondern lässt die Debatten um die Gorch Fock und Hartz IV in der öffentlichen Wahrnehmung verblassen.
Zweifel an der Eigenständigkeit der wissenschaftlicher Leistungen von Kabinettsmitgliedern sind nicht neu. Ende 2009 musste sich auch die Familienministerin Kristina Schröder mit dem Vorwurf auseinandersetzen, Teile ihrer Doktorarbeit würden aus der Feder ihrer Mitarbeiter stammen. Der damalige mediale Aufschrei verhallte jedoch schnell.
Die neuerliche Debatte um eine vermutlich gefälschte Doktorarbeit erfährt allerdings ihre Brisanz nicht zuletzt durch eine neue Form der digitalen Bürgerbeteiligung: Nachdem die Süddeutsche Zeitung die Plagiatsvorwürfe öffentlich machte, erfolgte ein nicht unerheblicher Teil der Plagiats-Recherche auf der Online-Plattform “GutenPlag Wiki”.
Seit dem 17. Februar hat dort jeder Bürger mit Internetzugang die Möglichkeit, kritische Stellen zu recherchieren, Belege für das Plagiat zu veröffentlichen und diese so einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Als sich der Bundestag in der vergangenen Woche im Rahmen einer aktuellen Stunde mit den Vorwürfen beschäftigte, lagen bereits alle Fakten öffentlich vor. Die Uni Bayreuth hat Guttenberg den Titel mittlerweile aberkannt. Oliver Lepsius, der Nachfolger von Guttenbergs Doktorvater, nennt den Verteidigungminister öffentlich einen Betrüger. Das entsprechende Youtube-Video verbreitet sich seit Tagen viral über Facebook und Twitter. Die Meinungsbildung scheint abgeschlossen, wie auch immer sie im Einzelfall ausgefallen ist.
Auf der Liste der Plagiats-Jäger stehen nun die nächsten Kabinettsmitglieder. Auf der extra zu diesem Zweck neu gegründeten Plattform “PlagiPedi Wiki” heisst es dazu: “Lasst uns daher zusammenarbeiten und erst einmal grob überprüfen, ob es sich hierbei im einen bedauerlichen Einzelfall handelt, oder ob Herr Guttenberg in trauriger Gesellschaft weilt.”
Kandidaten bietet das Kabinett in ausreichendem Maße. Zehn der aktuellen Minister haben einen Doktortitel. Dr. Angela Merkel, diese Woche auf Platz 2, ist promovierte Physikerin und schrieb ihre Arbeit zum Thema “Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantentechnischer und statistischer Methoden”. Zugänglicher scheint da doch die Dissertation des Außenministers Westerwelle (Platz 3). Er erlangte seinen Titel mit einer Arbeit über Parteirecht und politische Jugendorganisationen.
Die SPD freut sich. Zumindest in Baden-Württemberg, der nächsten Station im Super-Wahljahr, stiegen die Umfragewerte seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe um 4%.

















