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Ehec breitet sich aus - vor allem in den Medien

Posted: Juni 10th, 2011 | Author: Wiebke Sucker | Filed under: Allgemeines | 39 Comments »

petrischalen-bild-ehec3Kein anderes Thema findet derzeit in den Medien mehr Anklang als Ehec. Wie in der Grafik anhand der roten Linie zu erkennen ist, stellt die Nachricht einer sich ungewöhnlich schnell verbreitenden und aggressiven Darmkolik selbst die Bestätigung des dreifachen Super-GAUs (grün) in Japan in den Schatten. Wie kann das sein? Warum werden mittlerweile ein paar Bakterien stärker thematisiert als eine Katastrophe, die Folgen für die gesamte Menschheit nach sich ziehen kann?

Menschen lesen gerne über Katastrophen, deswegen wird in den Medien auch ständig über solche berichtet. Spektakuläre Bilder und dramatische Geschichten werden besonders gerne gezeigt. Sie verhelfen den Medien zu Gewinnsteigerungen und für die Konsumenten generieren sie eine scheinbar allumfassende Berichterstattung. Dass das Bild, welches durch die Medien in der Öffentlichkeit entsteht, oftmals nur oberflächlich und dramatisiert ist, wird häufig nicht in Betracht gezogen.

Vergleich der Medienpräsenz

Die Medienpräsenz der Themen Ehec (rot), Fukushima (grün), Griechenlandkrise (hellblau), Atomausstieg (rosa), Soldateneinsatz in Afghanistan (blau) und Libyen (gelb) in den deutschen Online-Medien und Blogs.

Wochenlang wurden die Katastrophen in Japan thematisiert, bis die Bevölkerung aufgrund der iterativen Berichterstattung schließlich mit Desinteresse reagierte. Bilder vom zerstörten AKW in Fukushima, Obdachlose und verwüstete Landstriche an der japanischen Küste hatte sie zur Genüge gesehen. Zunächst wurde jedoch eine massive öffentliche Diskussion entfacht, die auch unsere Politik nicht kalt ließ. Letztendlich führte die Katastrophe in Japan laut Medienberichten dazu, dass Frau Merkel binnen kürzester Zeit einen 180°-Schwenk von Pro zu Anti-Atom machte.
Die Debatte zu dem plötzlichen Sinneswandel und über die Planung für die baldige Umsetzung des Ausstiegs lässt sich sehr gut anhand der rosanen Linie in der Grafik erkennen.
Seit Ende Mai ist Ehec das Top-Thema. Verfolgt man die Berichterstattung, möchte man meinen, dass Ehec eine Seuche mit apokalyptischem Ausmaß ist, die es - sicherheitshalber - durch konsequente Meidung bestimmter Rohkost zu bekämpfen gilt. Ununterbrochen wird von weiteren Infizierten gesprochen, 29 Todesopfer forderte Ehec bereits. Gemüse, insbesondere die hauptverdächtigen Gurken, Sprossen und Tomaten, wird tonnenweise aus den Sortimenten der Supermärkte auf den Müll geschmissen. Bauern verlangen finanzielle Unterstützung, weil die Presse ihrem Geschäft nachhaltig schadet. Spanien will Deutschland verklagen, weil die dort produzierten Gurken zu Unrecht als Übeltäter beschuldigt wurden. In allen Medien gehen Bilder des Erregers um und weisen darauf hin, wie gefährlich dieser ist. Die mutierten Ehec-Erreger produzieren in hohem Maße ein Gift, das die roten Blutzellen zerstört und die Nieren befällt, das sogenannte HUS (Hämolytisch-urämisches Syndrom).

Trotzdem scheint die deutsche Bevölkerung sich nicht komplett aus der Ruhe bringen zu lassen. Laut des ARD-Deutschlandtrends lässt das Thema Ehec 20 Prozent der Deutschen völlig kalt, 49 Prozent machen sich nur „geringe Sorgen“. Dennoch wird verstärkt auf Hygiene und die Ernährung geachtet.

Der mysteriöse Erreger und seine umstrittene Herkunft beschäftigt die deutschen Medien mehr, als der endgültig bestätigte Super-GAU in Japan (in der Grafik grün), die Krise Griechenlands (hellblau) oder der NATO-Einsatz in Libyen (gelb). Die Gefahr durch winzige Bakterien ist viel greifbarer, da sie auch in unmittelbarer Nähe ist. Japan ist weit weg, sämtliche Konsequenzen eines GAUs wurden in der Vergangenheit wenigstens theoretisch schon erläutert. Zudem ist die Strahlung nicht sichtbar, nicht einmal unter einem Mikroskop - der Virus indes schon.