politReport.de Parteien-IndexpolitReport.de Parteivorsitzende in den Medien

Der Bürgerschreck ist weg

Posted: April 20th, 2011 | Author: Gregor Landwehr | Filed under: Allgemeines | 20 Comments »

„Jetzt liebe ich halt die Sozis“, sagt Winfried Kretschmann und lacht. Aber so richtig glücklich scheint der erste Ministerpräsident der Grünen damit nicht zu sein. Bereits vor vielen Jahre galt schwarz-grün in Baden-Württemberg als eine ernstzunehmende Option. Damals gab es noch kein Hamburg, noch kein Saarland. Doch dann brachen CDU-Politiker in Baden-Württemberg Konventionen, die seit bestehen des Landes gegolten hatten. Und Winfried Kretschmann kann zeigen, dass er besser zu Baden-Württemberg passt als Stefan Mappus.

Medial halten sich der alte und der neue Ministerpräsident fast die Wage. Das Ruder übernimmt jetzt wahrscheinlich der erste grüne Minsiterpräsident Winfried Kretschmann.

Medial halten sich der alte und der neue Ministerpräsident fast die Waage. Das Ruder übernimmt jetzt wahrscheinlich der erste grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

„Wir als Grüne sind die Letzten, die das Erbe Helmut Kohls verwalten“, ließ Jürgen Trittin im Wahlkampf wissen. Von der neuen Bürgerlichkeit der Grünen war oft die Rede. Doch trotz Bürgerlichkeit und gutem Wahlergebnis: Eine Volkspartei sind sie noch lange nicht. Auch wenn die Grünen in Süddeutschland stark realpolitisch geprägt sind, ein Blick auf die Mitgliederstruktur zeigt: Die einzigen Arbeiter in ihren Reihen sind Sozialarbeiter.

Die SPD scheint im Rausch des Regierungswechsels wie unter Drogen. Sie haben das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren, und dürfen sich trotzdem als Sieger fühlen. Als Juniorpartner der Grünen müssten sie in einer Analyse jedoch feststellen, dass ihnen jegliches Kontrastprogramm fehlt. In Baden-Württemberg gibt es zwar viele Arbeiter, doch Sie definieren sich nicht so. Mit den klassischen sozialdemokratischen Themen tuen sie sich schwer. Das haben sie mit der FDP gemeinsam. Den Liberalen ist es nicht gelungen, sich in den vergangenen Jahren als ordnungspolitisches Gewissen in der Regierung zu positionieren. Damit waren erst die Glaubwürdigkeit, und dann die Wähler weg.

Und die CDU? Nach 58 Jahren in der Regierung wurden die Konservativen nun abgelöst. Und das trotz hoher Zufriedenheitswerte im Land. Der Wirtschaft im Ländle geht es gut, das Schulsystem schneidet ebenfalls nicht schlecht ab und bei vielen weiteren Kennzahlen liegt das Bundesland in Deutschland vorne. So mancher CDU-Politiker reibt sich verwundert die Augen. Was ist los, im Musterländle?

gruenebw

Schon seit Jahren verschließt die CDU die Augen vor der Entwicklung: In vielen Gebieten, in denen die CDU traditionell über 50 Prozent-Ergebnisse erzielte, nimmt die Zustimmung bei Wahlen seit Jahren ab. Dies zeigt, dass es sich bei dem Ergebnis der Landtagswahl keineswegs um ein vorrübergehendes Phänomen handelt.

Mit seinem Politikstil hat Ministerpräsident Stefan Mappus den Pfad der Konsenspolitik verlassen. Doch diese hatte in Baden-Württemberg eine lange Tradition. Zurück blieben irritierte Stammwähler. Und die Erkenntnis, das Grün anscheinend doch ganz gut nach Baden-Württemberg passt.

Der Artikel ist auch erschienen auf debatare.de



Vom Wechsel zur Wende

Posted: April 19th, 2011 | Author: Simone Wagner | Filed under: Allgemeines | 23 Comments »

Das Kabinett Medienranking

  • 1 2 Angela Merkel
    Bundeskanzlerin
    mit 2204 aktuellen Erwähnungen
  • 2 2 Rainer Brüderle
    Wirtschaftsminister
    mit 1337 aktuellen Erwähnungen
  • 3 2 Guido Westerwelle
    Außenminister
    mit 1211 aktuellen Erwähnungen
  • 4 2 Norbert Röttgen
    Umweltminister
    mit 887 aktuellen Erwähnungen
  • 5 2 Wolfgang Schäuble
    Finanzminister
    mit 800 aktuellen Erwähnungen
  • 5 3 Philipp Rösler
    Gesundheitsminister
    mit 800 aktuellen Erwähnungen
  • 7 2 Hans-Peter Friedrich
    Innenminister
    mit 559 aktuellen Erwähnungen
  • 8 Peter Ramsauer
    Verkehrsminister
    mit 513 aktuellen Erwähnungen
  • 9 3 Kristina Schröder
    Familienministerin
    mit 494 aktuellen Erwähnungen
  • 10 1 Ursula von der Leyen
    Arbeitsministerin
    mit 313 aktuellen Erwähnungen
  • 11 6 Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
    Justizminsterin
    mit 312 aktuellen Erwähnungen
  • 12 3 Annette Schavan
    Bildungsministerin
    mit 239 aktuellen Erwähnungen
  • 13 3 Ilse Aigner
    Landwirtschaftsministerin
    mit 215 aktuellen Erwähnungen
  • 14 Thomas de Maizière
    Verteidigungsminister
    mit 150 aktuellen Erwähnungen
  • 15 2 Dirk Niebel
    Entwicklungshilfeminister
    mit 124 aktuellen Erwähnungen
  • 16 Ronald Pofalla
    Chef des Kanzleramtes
    mit 7 aktuellen Erwähnungen
  • Auswertung vom 10.04.2011 - 17.04.2011, erstellt mit blueReport

Nach dem Machtwechsel light bei der FDP, geht es für fast alle liberalen Kabinettsmitglieder abwärts im dieswöchigen Kabinetts-Ranking. Nach dem erwarteten und dann doch ausgebliebenen Stühlerücken im Kabinett ließ die mediale Aufmerksamkeit nach. Thematisch dominierte die Energiedebatte die deutschen Online-Medien.

Aus den Reihen der FDP stieg so nur Wirtschaftsminister Brüderle um zwei Plätze auf. Die Kanzlerin Angela Merkel (wieder auf dem Königinnen-Platz) lud gemeinsam mit ihm und Umweltminister Röttgen (rauf auf Platz 4) zum Energiegipfel ein. Bund und Länder berieten über einen potentiellen raschen Ausstieg aus der Atomkraft und den Ausbau von erneuerbaren Energien. Konkrete Ziele waren vor dem Treffen nicht bekannt. Am Ende einigte man sich auf einen Zeitplan für die Gesetzgebung über die Laufzeit der Atomkraftwerke. Noch offen ist der tatsächliche Zeitpunkt des Atomausstiegs und die Frage nach der Finanzierung der Energiewende.

Drei Plätze rauf, auf den 9. Platz, ging es auch wieder für Kristina Schröder. Genannt wurde sie im Zusammenhang mit der Bundestagsdebatte zur PID (Präimplantationsdiagnostik). Für Schlagzeilen sorgte aber auch der erste “Boys Day” in Deutschland. Jungs sollen dabei bundesweit einen Einblick in typische Frauenberufe bekommen.
Nach elf Jahren “Girls Day”, bei denen Mädchen für technische Berufe begeistert werden sollen, kommt nun also das Gegenmodell. Die Ministerin möchte mehr Männer für Berufe in der Altenpflege oder der Erziehung gewinnen. Die Wende in der geschlechterspezifischen Berufswelt scheint nicht nur gewünscht, sondern auch nötig zu sein. Laut taz.de werden in den nächsten zehn Jahren 100.000 Fachkräfte in der Pflege fehlen.



And the winner is… nicht mehr dabei.

Posted: März 10th, 2011 | Author: Anne Straube | Filed under: Allgemeines | 3 Comments »

Das Kabinett Medienranking

  • 1 Angela Merkel
    Bundeskanzlerin
    mit 4970 aktuellen Erwähnungen
  • 2 4 Thomas de Maizière
    Verteidigungsminister
    mit 2303 aktuellen Erwähnungen
  • 3 11 Hans-Peter Friedrich
    Innenminister
    mit 2006 aktuellen Erwähnungen
  • 4 2 Guido Westerwelle
    Außenminister
    mit 1542 aktuellen Erwähnungen
  • 5 2 Annette Schavan
    Bildungsministerin
    mit 909 aktuellen Erwähnungen
  • 6 1 Rainer Brüderle
    Wirtschaftsminister
    mit 855 aktuellen Erwähnungen
  • 7 2 Norbert Röttgen
    Umweltminister
    mit 703 aktuellen Erwähnungen
  • 8 4 Wolfgang Schäuble
    Finanzminister
    mit 538 aktuellen Erwähnungen
  • 9 3 Peter Ramsauer
    Verkehrsminister
    mit 512 aktuellen Erwähnungen
  • 10 Ilse Aigner
    Landwirtschaftsministerin
    mit 484 aktuellen Erwähnungen
  • 11 2 Philipp Rösler
    Gesundheitsminister
    mit 339 aktuellen Erwähnungen
  • 12 3 Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
    Justizminsterin
    mit 332 aktuellen Erwähnungen
  • 13 5 Kristina Schröder
    Familienministerin
    mit 255 aktuellen Erwähnungen
  • 14 11 Ursula von der Leyen
    Arbeitsministerin
    mit 180 aktuellen Erwähnungen
  • 15 4 Dirk Niebel
    Entwicklungshilfeminister
    mit 168 aktuellen Erwähnungen
  • 16 Ronald Pofalla
    Chef des Kanzleramtes
    mit 21 aktuellen Erwähnungen
  • Auswertung vom 27.02.2011 - 06.03.2011, erstellt mit blueReport

Nach der Oscarverleihung wissen wir, auch Hollywood kann sich der Monarchie, zumindest im Film, nicht entziehen. Preisverdächtig sind auch die Dramen des deutschen Polit-Adels.

Der heimliche König und stete Lieblingsbaron der Nation hat abgedankt.
Karl Theodor Freiherr zu Guttenberg hatte die Grenzen seiner Kräfte vorletzten Dienstag erreicht, kurz nachdem auch Bundestagspräsident Lammert und Bildungsministerin Schavan ihre Grenzen erreicht hatten - die ihrer Toleranz gegenüber akademischem Betrugs. Damit scheint für Bundeskanzlerin Merkel die Welt wieder in Ordnung zu sein, nach Wochen schafft sie es wieder an den Platz, der ihr, Kraft ihres königlichen Amtes, zusteht: an die Spitze des Kabinetts(rankings).

Die beiden (alten) Neuen geben ihren Einstand und lassen es an Medienaufmerksamkeit nicht mangeln. Der politische Leisetreter de Maizière verdankt seine Präsenz dabei wohl eher dem “Bäumchen wechsel dich”-Spiel, das sich in Merkels Hofstaat zum beliebten Gesellschaftsspiel zu mausern scheint.
Neu-Innenminister Friedrich versucht es gar nicht erst mit königlicher Zurückhaltung, er poltert los und macht von Beginn an klar, dass seine Regentschaft einzig auf der christlichen Tradition fußt.
Gesellschaftsspiele und polternde bayerische Minister? Sollte so schnell wieder die normale Ruhe am Hof des Bundeskanzleramtes eingekehrt sein?

Der König ist tot! Lang lebe der König!

“Aus dem Kabinett, aus dem Sinn!” gilt vielleicht für Andere: Karl Theodor zu Guttenberg bleibt der heimliche König, mit 7962 Erwähnungen hat er mehr als Merkel und Neukronprinz de Maizière zusammen.
In Bayern wird schon die Wiederauferstehung Guttenbergs beschworen. Und auch auf Twitter wurde, ganz im christlichen Sinne Friedrichs, am letzten Donnerstag mit der Auferstehung gerechnet.

Die Langzeitfavoritin und damit Guttenberg-Rivalin auf die Thronfolge Ursula von der Leyen hat derweil ihre Chance im Dornröschenschlaf verbracht, selbst Fast-Beinah-Bald-vielleicht-doch-wieder Prinzessin Stephanie zu Guttenberg hatte letzte Woche mehr mediale Aufmerksamkeit( 209 Erwähnungen) als sie.
Solang es so aussieht, braucht Merkel eines mit Sicherheit nicht  zu fürchten, dass ihr jemand aus dem eigenen Hof einen Zacken aus der Krone bricht.



Hochgeaignert

Posted: Januar 18th, 2011 | Author: Kilian Froitzhuber | Filed under: Allgemeines | 2 Comments »

Das Kabinetts-Medienranking

  • 1 2 Ilse Aigner
    Landwirtschaftsministerin
    mit 2714 aktuellen Erwähnungen
  • 2 Angela Merkel
    Bundeskanzlerin
    mit 2593 aktuellen Erwähnungen
  • 3 2 Guido Westerwelle
    Außenminister
    mit 1490 aktuellen Erwähnungen
  • 4 1 Karl-Theodor zu Guttenberg
    Verteidigungsminister
    mit 980 aktuellen Erwähnungen
  • 5 4 Peter Ramsauer
    Verkehrsminister
    mit 755 aktuellen Erwähnungen
  • 6 1 Wolfgang Schäuble
    Finanzminister
    mit 679 aktuellen Erwähnungen
  • 7 3 Rainer Brüderle
    Wirtschaftsminister
    mit 672 aktuellen Erwähnungen
  • 8 5 Norbert Röttgen
    Umweltminister
    mit 430 aktuellen Erwähnungen
  • 9 3 Thomas de Maizière
    Innenminister
    mit 318 aktuellen Erwähnungen
  • 10 4 Kristina Schröder
    Familienministerin
    mit 229 aktuellen Erwähnungen
  • 11 1 Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
    Justizminsterin
    mit 193 aktuellen Erwähnungen
  • 12 4 Philipp Rösler
    Gesundheitsminister
    mit 182 aktuellen Erwähnungen
  • 13 7 Ursula von der Leyen
    Arbeitsministerin
    mit 180 aktuellen Erwähnungen
  • 14 1 Annette Schavan
    Bildungsministerin
    mit 164 aktuellen Erwähnungen
  • 15 4 Dirk Niebel
    Entwicklungshilfeminister
    mit 95 aktuellen Erwähnungen
  • 16 Ronald Pofalla
    Chef des Kanzleramtes
    mit 19 aktuellen Erwähnungen
  • Auswertung vom 09.01.2011 - 16.01.2011, erstellt mit blueReport

Das dieswöchige Kabinetts-Medienranking bietet ein Novum: An der Spitze finden wir die Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Den Platz an der Sonne konnte sie dank ihres Vabanquespiels zwischen Protegierung der dioxinverarbeitenden Industrie und Verbraucherschutz ergattern.
Die Vizepräsidentin des Landesverbandes Oberbayern im Bund Deutscher Karneval hatte diese Woche wenig zu lachen – wobei einzelnen Medien das Einschlagen auf die Ministerin langsam langweilig zu werden scheint: Ob man Aigners Aktionismus loben oder kritisieren soll, ob man ihr dankbar sein soll, nicht in Aktionismus verfallen zu sein oder Ärger über ihre Untätigkeit angebracht ist, weiß man als Medienkonsument im Moment nicht so genau.

Außer Dioxin scheint diese Woche nicht viel los gewesen zu sein – Angela Merkel und Guido Westerwelle (Rang 2 und 3) verdanken dem Thema einen großen Teil der sie betreffenden Berichterstattung. Für den Außenminister standen ansonsten noch die Themen Sudan, Afghanistan und FDP auf der Agenda, wo er sich jeweils mit Aufständischen auseinandersetzen muss.

Ganz unten im Medienranking findet sich – von Ronald Pofalla mal abgesehen – Dirk Niebel, dessen Reise durch den Jemen und Äthiopien inklusive Zusammentreffen mit dem jemenitischen Staatspräsidenten und dem äthiopischen Premierminister kaum ein Echo fand. Doch Hilfe ist in Sicht: Parteifreund Wolfgang Kubicki erneuerte eine alte FDP-Forderung, wonach das Entwicklungshilfeministerium abgeschafft gehört, und brachte den Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung so wieder in’s Gespräch. Diese Woche wird man sehen, ob der zweite FDP-Entwicklungshilfeminister nach Walter Scheel diese Vorlage verwerten kann.



Wildbad Kreuth - Stuttgart - Berlin

Posted: Januar 6th, 2011 | Author: Simone Wagner | Filed under: Allgemeines, Ministerpräsidenten-Ranking | 35 Comments »

Das Medienranking der Ministerpräsidenten

  • 1 1 Horst Seehofer
    Bayern
    mit 937 aktuellen Erwähnungen
  • 2 1 Peter Müller
    Saarland
    mit 415 aktuellen Erwähnungen
  • 3 1 Stefan Mappus
    Baden-Württemberg
    mit 214 aktuellen Erwähnungen
  • 4 1 Kurt Beck
    Rheinland-Pfalz
    mit 135 aktuellen Erwähnungen
  • 5 1 Klaus Wowereit
    Berlin
    mit 133 aktuellen Erwähnungen
  • 6 1 Hannelore Kraft
    Nordrhein-Westfalen
    mit 126 aktuellen Erwähnungen
  • 7 5 Matthias Platzeck
    Brandenburg
    mit 77 aktuellen Erwähnungen
  • 8 1 Volker Bouffier
    Hessen
    mit 68 aktuellen Erwähnungen
  • 9 1 Christoph Ahlhaus
    Hamburg
    mit 55 aktuellen Erwähnungen
  • 10 3 David McAllister
    Niedersachsen
    mit 54 aktuellen Erwähnungen
  • 11 3 Wolfgang Böhmer
    Sachsen-Anhalt
    mit 51 aktuellen Erwähnungen
  • 12 2 Peter Harry Carstensen
    Schleswig-Holstein
    mit 46 aktuellen Erwähnungen
  • 13 1 Christine Lieberknecht
    Thüringen
    mit 30 aktuellen Erwähnungen
  • 14 2 Jens Böhrnsen
    Bremen
    mit 27 aktuellen Erwähnungen
  • 15 4 Stanislaw Tillich
    Sachsen
    mit 22 aktuellen Erwähnungen
  • 16 7 Erwin Sellering
    Mecklenburg-Vorpommern
    mit 18 aktuellen Erwähnungen
  • Auswertung vom 29.12.2010 - 05.01.2011, erstellt mit blueReport

Die politische Achse verläuft diese Woche von Wildbad Kreuth bis nach Stuttgart und tangiert dabei doch Berlin. Wildbad Kreuth liegt im Herzen von Oberbayern in der Nähe von Rosenheim und beherbergt aktuell die CSU-Spitze zur Klausurtagung.

Horst Seehofer (diese Woche auf Platz 1.) negiert von dort nicht nur das Konkurrenzverhältnis zu Vorzeige-CSUler Guttenberg, sondern leistet auch unerwartete Schützenhilfe für Guido Westerwelle, der heute beim Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart um den Parteivorsitz kämpft und seine Partei auf die kommenden Landtagswahlen einstimmt.
Gewöhnlich steht der bayerische Ministerpräsident nicht im Verdacht, der größte Fan des FDP-Chefs zu sein. Die beiden Männer verbindet auf den ersten Blick nicht viel bis auf eine bisweilen streitbare Politik-Ehe. Aber Scheidung sieht man in der CSU nicht gerne. Vor allem nicht, wenn 2013 der Machterhalt in Gefahr ist. “Die Lage der FDP ist nicht mehr nur Sache der FDP, sondern auch Sache der bürgerlichen Koalition” zitiert der Spiegel Seehofer.

Während also im südlichen Teil der Bundesrepublik schon über die anstehenden Landtagswahlen hinaus gedacht wird, bleibt es um den Wahlkämpfer Christoph Ahlhaus in Hamburg eher ruhig. Am 20. Februar wird in der Hansestadt gewählt. Die SPD liegt in allen aktuellen Umfragen klar vorn. Hat Ahlhaus schon aufgegeben? Seine Medienpräsenz ist für einen Ministerpräsidenten im Wahlkampf jedenfalls außergewöhnlich niedrig. Es geht zwar einen Platz rauf; am Ende reicht es aber doch nur für den 9. Rang.
Heute tritt er in einem TV-Duell gegen seinen politischen Gegner Olaf Scholz an. Übertragen wird die Debatte im Lokalfernsehen und dem Privatradio.



Deutsche Bahn: Holiday, no ICE

Posted: Dezember 28th, 2010 | Author: Jochen Barthel | Filed under: Allgemeines | 44 Comments »

Wintereinbruch ist keine höhere Gewalt
Wenn in Island der Vulkan unter dem Eyjafjallajökull ausbricht und Asche spuckt, wenn die OPEC die Ölfördermenge drosselt oder auch wenn festgefahrene Tarifverhandlungen zu Streiks führen, dann kann es zum Erliegen des Verkehrs kommen. Man steckt fest und es geht nicht vor und nicht zurück. Aber was passiert dieser Tage? Es schneit.
Natürlich können auch extreme Wetterlagen den Verkehr lahmlegen. Etwa letztes Jahr, als in Deutschland niemand damit gerechnet hat, es könnte kalt werden. Das Salz war aus, die Weichen eingefroren, nicht nur der Berliner S-Bahn-Verkehr kam zum Stehen. Der Winter 2009/2010 war auch hart. Besserung wurde gelobt. Und jetzt?
Der Winter hat gerade erst angefangen und die Deutsche Bahn versinkt schon wieder im Chaos. Das Selbstverständis als Branchenprimus ist aber schon lange dahin. Erst kürzlich verglich tagesschau.de die Deutsche Bahn mit der spanischen Gesellschaft RENFE. Ausgerechnet die Spanier sind pünktlicher und effizienter als die Deutschen. Ein Tiefschlag für das nationale Selbstbild.
Weshalb Flugzeuge bei spiegelglatten Pisten und vereisten Tragflächen nicht mehr starten, leuchtet ein. In ganz Europa herrscht deshalb Chaos. Aber wo liegt eigentlich das Problem bei der Bahn? So richtig kann das keiner sagen. Im Bild-Interview macht der Bahn-Vorstand Homburg allein das Wetter verantwortlich. Matthias Oomen, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn erkennt in solchen Aussagen eine Argumentation, die die Pannenserie auf höhere Gewalt zurückführen solle. Genau das stellt ein Wintereinbruch aber nicht dar.

Verspätungen und Ausfälle der Schweizer Bundesbahn (blau) geben im Gegensatz zu jenen der Deutschen Bahn (gelb) kaum Anlass zur medialen Klage.

Verspätungen und Ausfälle der Schweizer Bundesbahn (blau) geben im Gegensatz zu jenen der Deutschen Bahn (gelb) kaum Anlass zur medialen Klage.

Ausreden und Versäumnisse
Und in anderen Ländern? Fällt da auch Schnee. Und führt das Wetter dort auch zu solch chaotischen Verhältnissen wie in Deutschland? Betrachtet man die Berichterstattung zu Ausfällen und Verspätungen von Zügen und vergleicht die Sitaution in Deutschland etwa mit der in der Schweiz, so fällt auf, dass die Probleme in den Alpen trotz einer größeren Menge an Schnee geringer ausfallen. Homburg hat auch dafür die passende Antwort parat: Die Verkehrsdichte sei dort viel geringer als in Deutschland. Mit anderen Worten: Es wollen einfach zu viele Menschen mit der Bahn reisen. Das ist das Problem. Deshalb empfiehlt die Deutsche Bahn ihren Kunden wohl auch, momentan am besten gar nicht Zug zu fahren.

Kein Licht am Ende des Tunnels
Wir Kunden sind also selber Schuld. Wir haben das Problem nicht bei uns gesucht, sondern immer nur bei der Bahn. Jetzt sind wir aber mal dran. Im nächsten Winter muss die Bahn geschont werden. Da fahren wir eben nicht an Weihnachten sondern im Januar zu unseren Liebsten. Wir fahren mit dem Zug, wenn die Bahn bereit ist. Der wahre Grund für die Misere wird weiter ignoriert. Es ist doch so, dass nicht etwa das Wetter oder die Verkehrsdichte die Gründe für das Bahnchaos darstellen, sondern der geplante Börsengang und die Gewinne, die deshalb erzielt werden sollen. Genau das ist übrigens in der Schweiz nicht geplant. Wie schon bei der Berliner S-Bahn kommt es dadurch unweigerlich zu Versäumnissen, wie es heute sogar Verkehrsminister Ramsauer gegenüber dem Spiegel einräumt. Und was nützt das dem Kunden? Nichts. Aber die Bahn gelobt Besserung. Mal wieder.