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Kanzlertauglich? - Medien sind auf der Suche nach Kronprinzen und Kontrahenten

Posted: November 3rd, 2010 | Author: Simone Wagner | Filed under: Allgemeines, Europawahl | Tags: , , , , | 3 Comments »

Am vergangenen Wochenende hat sich die Mehrheit der CDU-Mitglieder in NRW für Norbert Röttgen als neuen CDU-Vorsitzenden des Landes ausgesprochen. Das Ergebnis soll nächstes Wochenende auf dem Landesparteitag bestätigt und Röttgen offiziell gewählt werden. Durch das gute Wahlergebnis gilt der Umweltminister nun auch als heißer Anwärter auf einen Platz im Gerangel um eine potentielle Nachfolgeschaft von Bundeskanzlerin Merkel - zumindest wenn es nach den Medien geht. Die Frankfurter Rundschau und Spiegel Online verliehen ihm gleich einen Kronprinzen-Titel, Bild.de nennt ihn gar den “George Clooney der deutschen Politik”.

Gabriel (rot), Steinmeier (grün), Guttenberg (blau) und Röttgen werden in den Online-Medien und Blogs im Zusammenhang mit einer Kanzlerkandidatur genannt.

Gabriel (rot), Steinmeier (grün), Guttenberg (blau) und Röttgen (schwarz) werden in den deutschensprachigen Online-Medien und Blogs im Zusammenhang mit einer Kanzlerkandidatur genannt.

Bisher schien es Aufgabe der Opposition und damit der SPD zu sein, Alternativen zur Kanzlerschaft von Angela Merkel aufzuzeigen. Sigmar Gabriel wird medial regelmäßig als Kanzlerkandidat gehandelt. Sich als solcher ins Gespräch zu bringen, ist wohl aber auch Teil seines Aufgabenbereiches als SPD-Parteivorsitzender. Laut einer Stern-Umfrage vom 27.10.2010 können sich 32% der Deutschen Frank-Walter Steinmeier als SPD-Spitzenkandidaten bei der nächsten Wahl vorstellen. Auch wenn er in diesem Zusammenhang deutlich weniger Medienpräsenz als sein Parteikollege Gabriel hat.

Nur wenig mehr als ein Jahr nach der letzten Bundestagswahl und mit dem “Herbst der Entscheidungen” finden sich nun auch Kandidaten aus den eigenen CDU/CSU-Reihen in der Diskussion um die K-Frage. Nur wie sind sie überhaupt in diese geraten? Weder Röttgen, noch der seit Wochen in diesem Zusammenhang diskutierte Karl-Theodor zu Guttenberg haben ein derartiges Vorhaben kommuniziert. Politisch wäre dies auch undenkbar.
Die Medien suchen in Zeiten unliebsamer Entscheidungen und sinkender Beliebtheitswerte für die Regierungskoalition laut nach Alternativen. Dies zeigt auch die politReport-Auswertung zur Medienpräsenz der Politiker im direkten Zusammenhang mit der Kandidatenfrage. Politischen Einfluß wird diese Stimmung wohl erstmal nicht haben. Über die Auswirkungen auf die Landtagswahlen 2010 kann nur spekuliert werden; die nächsten Bundestagswahlen sind - auch wenn es sich im Moment nicht so anfühlt- erst für das Jahr 2013 geplant.



Alles über Web-Monitoring

Posted: September 19th, 2010 | Author: Gregor Landwehr | Filed under: Europawahl, Rezensionen | Tags: | 1 Comment »

webmonitoring

Immer genau bescheid zu wissen, was über die eigene Person, eine Marke oder eine Firma im Internet geschrieben und gesagt wird, das wird immer wichtiger. Beispiele, bei denen das Image einer Marke von Internetnutzer in kürzester Zeit zu Grunde gerichtet wurde, haben dafür gesorgt, dass auch in Konzernzentralen das Thema „Webmonitoring“ stärker in das Blickfeld gerückt ist. Und seit dem Barack Obama mit seiner Wahlkampagne dafür gesorgt hat, dass auch in Deutschland alle „Internetwahlkamp“ machen wollen, ist das Thema auch in den Parteizentralen präsent.

Die Frage die sich vielen stellt ist jedoch: Was ist Webmonitoring eigentlich? Und wie betreibt man es? Für alle die vor solchen Fragestellungen stehen lohnt ein Blick in das von Patrick Brauckmann herausgegebene Buch. In vier Teilen werden hier die Aufgaben von Webmonitoring erklärt, verschiedene Methoden erläutert und Analysemethoden von Daten vorgestellt sowie Beispiele aus der Praxis vorgestellt. Die Beiträge stammen von ganz unterschiedlichen Autoren, viele Stammen aus der Praxis und haben bereits eigene Erfahrungen mit dem Thema Webmonitoring gemacht, andere stammen von Wissenschaftlern. Entsprechend unterschiedlich in Umfang und Stiel fallen die einzelnen Kapitel aus. Von den Grundlagen über die Möglichkeiten bis zur Auswahl eines passenden Dienstleister wird das Thema an Beispielen aus Wirtschaft und Politik betrachtet. Damit ist es das bislang umfassendste Werk zum dem Themenkomplex und hat damit gute Chancen zu einem Standartwerk zu werden. Wer sich professionell mit Webmonitoring beschäftigt kommt an der Lektüre sicher nicht vorbei.

Das Buch ist im UVK-Verlag erschienen und kostet 39,90 Euro. Außerdem ist es bei Paper-C abrufbar.

Weitere Links:



Oberbürgermeister legt sich mit Bloggern an

Posted: August 19th, 2010 | Author: Andrea Pietsch | Filed under: Allgemeines, Europawahl, Rezensionen | 1 Comment »

Die Negativschlagzeilen um den in den letzten Wochen stark in die Kritik geratenen Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland reißen nicht ab. Vor knapp einer Woche stellte der Duisburger Nachrichten-Blog Xtranews interne Anhänge des von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachtens zur Love-Parade-Katastrophe ins Netz. Diese Anhänge fehlen allerdings in der offiziellen Version des Gutachtens, welches die Stadt Duisburg auf ihrer Homepage öffentlich zur Verfügung stellt.

Die Reaktion der Stadt auf die Veröffentlichung folgte prompt. Sie leitete rechtliche Schritte ein und erwirkte durch eine einstweilige Verfügung mit Berufung auf das Urheberrecht, dass die Dokumente nicht mehr auf dem Blog nachzulesen sind.

Allerdings ist fraglich, ob dies der Stadt Duisburg und ihrem Oberbürgermeister wirklich hilft.

Die politReport-Auswertung zeigt einen deutlichen Anstieg der medialen Präsenz seit bekannt wurde, dass die Stadt Duisburg rechtliche Schritte gegen die Veröffentlichung durch Xtranews eingeleitet hatte. Offensichtlich haben die Stadt und ihr Oberbürgermeister den Zusammenhalt der Web 2.0 Community deutlich unterschätzt, denn diese verbreitet inzwischen die Nachricht des Verbots, sowie die pikanten Anhänge des Gutachtens weiter im Netz.

Adolf Sauerland im Zusammenhang mit der Loveparade in den Online-Medien (rot) sowie in Blogs und bei Twitter (blau).

Das Social Web reagiert sofort und intensiv: Adolf Sauerland im Zusammenhang mit der Loveparade in den Online-Medien (rot) sowie in Blogs und bei Twitter (blau).



Die Meinungsmacher: Im Hauptstadtjournalismus nichts Neues

Posted: Juli 25th, 2010 | Author: Gregor Landwehr | Filed under: Europawahl, Rezensionen | Tags: , , , | 3 Comments »

meinungsmacherWenn man ein Buch mit dem Titel „Die Meinungsmacher“ schreibt in dem es um die Hauptstadt-Journalisten geht, und dies mit dem Untertitel „Die Verwahrlosung de Hauptstadtjournalismus“ versieht, dann ist eigentlich schon vor dem lesen klar, was einen erwartet. Und so ist es auch keine Überraschung das die Autoren Leif Kramp und Stephan Weichert ein Bild zeichnen, dass zeigt, wie schlecht es um den Journalismus in Berlin bestellt ist. Da sind die Alphajournalisten, die sich ständig um sich selbst drehen, da sind Meinungskartelle und Absprachen, da sind die neuen Medien und die alten Talkshows. Und über all diesem Abgesang schwebt ein ständiges „damals in Bonn war alles besser.“

Wer sich ein wenig in Berlin und in der Medienbranche auskennt, der wird in dem Buch wenig neues entdecken. Da ist nichts, was nicht so, oder so ähnlich, schon einmal geschrieben worden ist. Dabei bleiben die Autor fast ausschließlich auf der Ebene des beschreibenden. Das ist zwar durchaus unterhaltsam geschrieben und lässt sich gut lesen, geht aber selten in die Tiefe. Immer wieder tauchen in dem Text Äußerungen auf, welche bei Interviews mit Journalisten entstanden sind, die eine der Grundlagen für das Buch waren.

Am Ende liefern die Autoren noch 10 Thesen „für einen besseren Hauptstadtjournalismus.“ Und darin, etwa bei dem Punkt „Hauptstadtjournalismus braucht Leitwölfe und Vorbilder“, revidieren die Autoren dann teilweise das, was sie auf rund 220 Seiten vorher mit einen häufig etwas pseudoinvestigativen Unterton kritisiert hatten. Angesprochen werden natürlich auch das Internet und Blogs. Das wäre eine Chance gewesen, bei dem Thema wirklich neue Akzente zu setzten. Doch diese Chance vergeben Kramp und Weichert.
Das Buch aus dem Verlag Hofmann & Campe hat rund 300 Seiten und kostet 20 Euro.



Flugverbot in Europa - Stillstand als Ereignis

Posted: April 21st, 2010 | Author: Marie Bartels und Daniel F. Lorenz | Filed under: Allgemeines, Europawahl | Tags: , | 31 Comments »

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Wir lesen gerne über Katastrophen, deshalb werden sie uns ständig medial geliefert. Zu den wirklich guten gehören heftig wütende Naturgewalten, die mit einer unvorhersehbaren Plötzlichkeit für Tod, Verzweiflung und Zerstörung sorgen. Verfolgt man die Presselandschaft mit ihrer Sprache und Semiotik des Katastrophalen, möchte man meinen, es hätte uns gerade ein schweres Desaster heimgesucht. Die Flughäfen in Europa werden erst langsam wieder geöffnet. Die Katastrophe, deren Auslöser der isländische Vulkan Eyjafjallajökull sein soll, scheint endlich überstanden.

Die medial aufgemachte Katastrophe
Tagelang starrte unsere Medienlandschaft auf ein Ereignis, das im Grunde keines war: Keine Leichen, keine zerstörten Häuser, an denen herzzerreißende Schicksale hängen, keine Tränen. Statt dessen Menschen, deren Urlaub nun eine Woche später beginnt oder in den heimischen Garten verlegt wird, und Banker, die das ach-so-wichtige Meeting in London verpassen. Dennoch wurde alles aufgemacht, als sei wieder Furchtbares passiert: Verzweifelte Menschen in Notunterkünften an Flughäfen, die nun doch keine Woche auf einer Mittelmeerinsel verbringen werden; Graphiken über unternehmerische Verluste, die irgendwie keine sind, denn bestehende Werte wurden nicht zerstört, sondern lediglich nie erwirtschaftet. Von denen, die gerade das Geschäft ihres Lebens machen, redet keiner.
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Erst unsere Abhängigkeit macht das Ereignis zum Ereignis
Und welche Auswirkungen hatte es auf unser Leben, dass wir für ein paar Tage um die Option beraubt waren, mit dem Flugzeug schnell einmal eine Oper in Mailand zu besuchen? Was diese „Katastrophe“ zerstörte waren keine Menschenleben. Allenfalls unsere Vorstellung der Verfügbarkeit von Raum und damit Welt musste in den vergangen Tagen gehörige Abstriche machen. Die in Zeiten der Globalisierung omnipräsente Vorstellung, prinzipiell jeden größeren Flughafen innerhalb eines Tages erreichen zu können, ist wahrscheinlich das Einzige, das in der Aschewolke je erstickte. Die Globalität von Vulkaneruptionen ist schon früher – man denke nur an den Ausbruch des Krakatau 1883 – ein Faktum gewesen, neu sind allemal die Formen der realen und psychischen Auswirkungen. Jenseits konstruktivistischer Spitzfindigkeiten haben sich die auslösenden Naturereignisse nicht wesentlich verändert, die gesellschaftlichen Stoffwechselprozesse hingegen radikal. Erst unsere Abhängigkeit vom Luftverkehr macht das Ereignis zum Ereignis, den Stillstand zu etwas Bewegendem.

Im Grunde könnten wir uns glücklich schätzen. Kein einziges Flugzeug stürzte aufgrund von Vulkanasche in den vergangenen Tagen ab. Die Behörden reagierten - wenn auch aufgrund fragwürdiger Daten – verständlich und sperrten den Luftraum über Europa. Eine Katastrophe im eigentlichen Sinne hat nie stattgefunden.

Dieser Artikel ist auch bei NZZ Online erschienen.



Der Europaqualkampf: Negative Campaining lohnt sich nicht

Posted: Juni 7th, 2009 | Author: Gregor Landwehr | Filed under: Europawahl | 25 Comments »
Die CDU setzte auf die Kanzlerin und nicht auf Ihren Spitzenkandidaten.
Die CDU setzte einzig auf die Kanzlerin.

Mit einem inhaltsleeren Wohlfühlwahlkampf kann man Wahlen gewinnen und Negative Campaining bringt nichts. Das könnten die Lehren aus dem Europawahlkampf sein.

Die niedrige Wahlbeteiligung liegt zum einen sicherlich an dem Wahlkampf, der nicht europapolische Themen in den Mittelpunkt rückte, sondern zu stark als Testwahl für die Bundestagswahl fungierte. Rund sieben Wochen vor der Wahl wussten laut einer Eurobarometer-Studie 62 Prozent der Befragten nicht, wann die Europawahlen stattfinden. Nur 28 Prozent gaben an, sich an der Wahl beteiligen zu wollen. Insgesamt lag die Wahlbeteiligung dann doch etwas höher, und ist trotzdem erschreckend gering.

Frustration bei den Wahlkämpfern

Hört man sich in den letzten Tagen bei den Europawahlkämpfern um herrscht vor allem eins: Frustration. In Baden-Württemberg fühlt man sich „hilflos ausgeliefert“, denn man fahre bloß „Huckepack“ zur Kommunalwahl, wie es der Mitarbeiter einer Abgeordneten nannte. Denn, so sagte es, natürlich sei es den Mitgliedern vor Ort wichtiger „Ihre“ Wahl zu gewinnen: „Das Hemd ist näher als die Hose“, so der Wahlkämpfer. Viele EU-Kandidaten verzichten deshalb auf eigene Veranstaltungen und beschränken sich auf Podiumsdiskussionen die von anderen Organisationen veranstaltet werden. Denn für Parteiveranstaltungen gäbe es kein Interesse, hört man sogar von den Kandidaten selbst.

Dabei war der Bedarf an Informationen durch aus da, nur es fehlt das Geld. So legte die Landeszentrale für Politische Bildung in Baden-Württemberg eine Broschüre auf und druckte diese 30.000 mal. „ Nach nur sechs Wochen war die Auflage vergriffen. Leider haben wir kein Geld für einen Nachdruck“, so Werner Fichter von der Landeszentrale.

Plattitüden aller Orten

Negative Campaining bei der SPD
Negative Campaining bei der SPD.

Auf deutschen Straßen war die Wochen vor der Wahl wieder Plattitüden-Alarm und Banalitäten-Vorsicht geboten. Was auf den Wahlplakaten als Slogans prangte, war oft an Aussagelosigkeit nicht zu unterbieten.

Die Wahrnehmung der Parteien ist da offenbar eine andere. So erklärte der CDU-Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler, die Plakate würden „auf den Punkt kommen“ und „die Themen ansprechen, um die es geht“. Glaubt man den Plakaten wäre dies, „Wir in Europa“ zu sein. (Analyse der Plakate von Michael Spreng)

Wahlfolklore

Und auch bei den TV-Spots sah es nicht besser aus: Der CDU Spot mit dem Scharm einer Waschmittelreklame (Aktueller CDU-Spot) steht aber anscheinend in einer langen Tradition. Denn schaut man sich den Sinnfreien Spot „Eine Hand für Europa an“ (Und so war es vor ein paar Jahren: “Eine Hand für Europa”) wundert man sich über nichts mehr. Und auch die SPD, die dieses mal auch Negative Campaining setzte, ging damit baden und schaffte es nicht, ihre Mitglieder zu mobilisieren. Dazu Franz Müntefering: „Das ist enttäuschend.“