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Berliner Wahlkampf 1.0

Posted: August 19th, 2011 | Author: Annette Lohmueller | Filed under: Allgemeines, Berlin, Landtagswahl | Tags: , , , , , , , , | 41 Comments »

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Noch gut vier Wochen ist es hin, bis sich Berlin entscheidet ob alles beim Alten bleibt oder die Karten neu gemischt werden. Letztes Jahr hat die Netzgemeinde eindrucksvoll demonstriert, wie politische Partizipation im Netz aussehen kann. „Go for Gauck“ postulierte eine große Schar von online-affinen Bürgerinnen und Bürgern. Auch wenn dieser Schlachtruf erfolglos blieb, bekam man eine Ahnung davon, wie Wahlkampf 2.0 und die Mobilisierung von Wählern im Social Web aussehen könnte.

Schaut man sich diese Tage in den verschiedenen Social Media Kanälen um, ist es erstaunlich, wie wenig diese für den Wahlkampf bisweilen genutzt werden. Im Gegensatz zu der letzten Infratest dimap Umfrage führt Renate Künast zumindest bei Facebook das Rennen an. Mit Rund 8 000 Likes liegt sie knapp 1 000 „Stimmen“ vor dem amtierenden Bürgermeister Klaus Wowereit . Frank Henkel schafft es immerhin auf  über 1 700 Sympathiebekundungen während der Spitzenkandidat der Linken Harald Wolf gerade mal knapp 300 Personen „gefällt“. Diskussionen mit den Wählern sucht man auf den offiziellen Facebook-Pages der vier Kandidaten aber vergeblich. Viel mehr wird das Medium dazu genutzt, um auf die Berichterstattung in den klassischen Medien zu verweisen. Wolfs Bemühungen seine Wählerschaft an seinem offline Wahlkampf und Volksnähe teilhaben zu lassen, wirken wie ein netter Versuch, Authentizität zu erzeugen, können aber auch Niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Renate Künast präsentiert sich da glaubwürdiger. Auf der Page der Grünen Kandidatin wechseln sich Posts wie „Mal ehrlich: Frauen können echt Fußball!! :-)“ mit Posts des „Team Künast“ ab. Doch auch auf grüner Seite scheint Facebook mehr PR-Instrument als Möglichkeit zum Wählerdialog zu sein. Das Team von Renate Künast postet gerne, Antworten findet man weniger.

Abgesehen von ihrem offiziellen Facebook-Auftritt widmen sich immerhin noch vier Pages und drei Gruppen ihrer Person und Kandidatur, selbst wenn diese durch Namen wie „Wenn Renate Künast Bürgermeisterin wird, fahren wir nie wieder nach Berlin“ gegen die Bundesfraktionsvorsitzende der Grünen polemisieren. Auch wenn sich das Interesse an Frank Henkel auf Facebook durch Abwesenheit kennzeichnet, hat er zumindest die Berliner Polizisten und Schüler auf seiner Seite.
Den Mikroblogging Dienst Twitter scheint keiner der Kandidaten als relevant zu erachten. Alleinig Künast hat einen offiziellen Account , der aber bei 18 abgesetzten Tweets seit März 2011 auch nicht weiter erwähnt werden muss. Etwas aktiver ist da die „Wahlinitiative - Für Renate Künast!“ die Online-Redaktion von „Grüne Berlin“ und der nicht ganz ernst zunehmende inoffizielle Account „Klaus Wowereit 2011″ .

Neben den verschiedenen Wahlwerbespots der SPD, der CDU und der Linken zeigen sich die Grünen bei You Tube kreativer -  unter dem Kampagnen-Namen „10 für Berlin“ wird sich seit dem 06. Juni wöchentlich einem neuen Kapitel des grünen Wahlprogramms gewidmet und im You Tube-Chanel der Grünen Berlin zugänglich gemacht. Angeschaut haben sich diese Videos allerdings nur wenige User. Wie viele davon tatsächlich in Berlin wahlberechtigt sind, ist wohl kaum abzuschätzen.
Ebenfalls erwähnenswert ist der Kandidatencheck der Caritas und Diakonie. In einem kurzen Video äußern sich die Kandidaten zu den Themen: Wohnungsnot, Armut, Bildung und Pflegenotstand. Während die Kandidaten der Grünen, der Linken und der CDU persönlich vor die Kamera treten wird Wowereit durch Ülker Radziwill vertreten.

Vergleicht man die verschieden Social Media Auftritte und Präsenzen der einzelnen Kandidaten, zeigen zumindest die Grünen ein Gespür dafür wie man Wahlkampf im Web 2.0 gestalten könnte. Nichtsdestotrotz scheint man sich in Puncto Wahlkampf auf Alt bewährt zu verlassen und verschenkt damit weiterhin wichtige Potentiale um die Wählerschaft zu erreichen und einen zeitgemässen Wahlkampf zu betreiben.



Das große Stühlerücken

Posted: Oktober 6th, 2009 | Author: Gregor Landwehr | Filed under: Bundestagswahl | Tags: , , | 1 Comment »

Das große Stühlerücken in Berlin hat begonnen

Während bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin um die Ministerposten gefeilscht wird werden die Mitarbeiter in der zweiten Reihe oft vergessen. Denn nach jeder Wahl beginnt in Berlin das große Stühlerücken in den Abgeordnetenbüros und Ministerien. Die Verträge der wissenschaftlichen Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten laufen in der Regel noch bis Ende Oktober. Besonders hart trifft es die Angestellten von SPD-Abgeordneten. 76 Parlamentssitze haben die Sozialdemokraten verloren, an jedem Abgeordnetem hängen zwei bis drei Arbeitsplätze in Berlin und zwei im Wahlkreis. 150 Angestellte von SPD-MdB’s stehen jetzt auf der Straße.

Natürlich könnte man jetzt sagen, die Mandate und somit auch die Stellen sind ja nicht weg, sondern nur von anderen Abgeordneten besetzt. Und diese brauchen ja schließlich auch Mitarbeiter. Doch bei der „Konkurrenz“ anzufangen ist für viele nicht denkbar – die Chancen etwa bei einem Unionsabgeordneten unter zu kommen sind eh gleich null. So bleibt nur der Weg zu Jobbörse der Bundestagsverwaltung und zur Arbeitsagentur Berlin-Mitte. Diese kommt den kurzfristig arbeitslos gewordenen entgegen. Sie verzichtet auch die sonst übliche Meldepflicht von drei Monaten vor Ende des Arbeitsverhältnisses.

Wer über entsprechende Kontakte verfügt kann darauf hoffen bei Verbänden, Agenturen oder in der Wirtschaft unterkommen. In Ministerien sind die Aussichten für Sozialdemokraten hingegen schlecht. Denn SPD-geführte Ministerien gibt es nicht mehr, die Fraktion und auch der Parteiapparat werden wohl erst einmal personell zusammengestrichen werden. Schlechte Aussichten also auf einen Job im Umfeld der Politik.