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Wenn sich Verlierer wie Sieger fühlen

Posted: September 27th, 2009 | Author: Gregor Landwehr | Filed under: Bundestagswahl, Ministerpräsidenten-Ranking | Tags: , , , | 35 Comments »

Die Falten um ihre Augen scheinen tiefer zu sein, als noch am Anfang des Wahlkampfs. Aber sie wirkt erleichtert und gelöst. Als sich Angela Merkel ihren Anhängern im Konrad-Adenauer-Haus zeigt bricht Jubel aus, Angie-Plakate werden in die Höhe gehalten.
Wer das sieht, meint hier feiere eine Partei ihren Sieg. Ein Regierungswechsel zugunsten einer Schwarz-Gelben-Mehrheit ist geschafft.

Bei all de Jubel im Konrad-Adenauer-Haus wird scheinbar vergessen, dass das Ergebnis der CDU unter der Führung von Angela Merkle das zweitschlechtestes in der Unions-Geschichte ist. In der CDU reicht dies offenbar für Jubelstürme aus.
Eine konservative Mehrheit ist möglich, allerdings nur dank des guten Wahlergebnisses der FDP. Jeder, der aus dem Ergebnis einen Erfolg ableiten möchte, blendet die wahren Tatsachen aus. Wer aus dem Gesamtergebnis ableitet, dass der Wahlkampf der CDU ein Erfolg gewesen ist, verkennt die Tatsachen. Diese sind, dass beide Volksparteien CDU und SPD massiv an stimmen verloren haben.

Die SPD mit großen Verlusten

Die SPD mit großen Verlusten

Die SPD kann ihre Rolle in der Opposition zur notwendigen Erneuerung nutzten. Ob dies, wie angekündigt, mit einem Oppositionsführer Steinmeier möglich ist, bleibt fraglich.
Für die CDU wird es mit der Kanzlerin Merkel ein „weiter so“ geben. Eine Analyse des Wahlergebnisses wird es, wie schon bei der Europawahl, nicht geben. Augen zu und Jubeln, das ist anscheinend das Motto der Union an diesem Abend und darüber hinaus.



Das Fazit: Parteien gelingt die Einbindung von Freiwilligen in Ihre Kampagnen nur schlecht

Posted: September 24th, 2009 | Author: Gregor Landwehr | Filed under: Bundestagswahl | Tags: , , , , , , , , , | 34 Comments »

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Ich habe mein bestes gegeben. Ich wollte mich bei SPD, CDU, FDP und den Grünen im Wahlkampf einbringen. Doch nach diesem Selbstversuch steht fest: Wahrscheinlich wäre ich nur für die Julis/die FDP auf Wahlkampftour gegangen. Bei allen anderen Parteien blieb es bei dem weiterleiten von Emails, beim unterstützen in Sozialen Netzwerken und teilweise warte ich immer noch auf eine Antwort.

Keine Kontakte vor Ort

Das Hauptproblem: Nach der Anmeldung über die zentralen Seiten der Parteien funktioniert die Anbindung an die Kontakte vor Ort nicht. Bei keiner Partei meldete sich ein Mitglied aus meiner Heimatstadt um mich in die Arbeit einzubinden. Stattdessen sorgen unnötig komplizierte Brüche in der Kommunikation für ein Abbrechen.

Medienbrüche

So sollte ich etwa für die Jusos eine Email an Freunde weiterleiten. Doch anstatt mit einem Klick zu einer Seite zu gelangen, auf der man die Emailadressen eingeben kann, sollte alles von Hand kopiert und verschickt werden. Oder ich soll mir meine Gruppen vor Ort selbst aus einer Liste raussuchen, anstatt mir diese direkt per Email zu schicken. Oder ich gelange nach dem Klick auf einem Bestellbutton in einer Email auf eine Internetseite, auf der ich mir die Emailadresse für die Bestellung rauskopieren, und wieder in mein Emailprogramm einfügen muss. Komplizierter geht es wohl nicht.

Und überhaupt: Die Email. Fast alle haben die Email für sich entdeckt, sehen sie aber lediglich als eine Art Newsletter an. Wo sind SMS, Brief und Telefonanruf? Warum erinnert mich niemand per SMS an einen Termin in meiner Stadt? Dabei habe ich meine Daten doch angegeben?
Warum habe ich den Eindruck, dass einige nur an Spenden (Grüne), andere gar nicht an mir (Junge Union) interessiert sind? Wo kann ich meine Ideen einbringen, wenn ich dies möchte? Das ist anscheinend nicht vorgesehen. Dialog? Fehlanzeige.

Können es sich die Parteien tatsächlich erlauben, auf so viel Mobilisierungspotential zu versichten? Oder ist es die Unwissenheit darüber, wie man Kampagnen im Web 2.0 organisiert? Ich hoffe es ist letzteres. Ein ernüchterndes Ergebnis.



Für die FDP und Julis aktiv werden

Posted: September 15th, 2009 | Author: Gregor Landwehr | Filed under: Bundestagswahl | Tags: , , , , , | 31 Comments »

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Das Internet ist nicht nur ein Informationsmedium. Es ist vor allem auch ein „Mitmach“- und Dialogmedium. Grade im Wahlkampf sind auch die letzten beiden Aspekte für Parteien sehr wichtig. In unserem Praxistest wollen wir herausfinden, was die Parteien anbieten, wenn man sich im Wahlkampf für Sie engagieren möchte. Dabei geht es nicht um parteipolitisches Engagement, sondern um konkrete Partizipationsmöglichkeiten vor der Bundestagswahl.

Die Ausgangssituation: Ich bin jung und willig. Will heißen: Ich bin Mitte 20, Student und möchte mich im Wahlkampf engagieren. Zwar bin ich politisch interessiert, aber ich bin kein Parteimitglied und möchte es auch nicht werden. Ich wohne in einer 80.000-Einwohner-Stadt in Baden-Württemberg, aber ich bin auch mobil.

Die FDP/Julis

Den Anfangen machen die Liberalen. Ich gehe auf die Seite der FDP-Jugendorganisation, der Julis (www.julis.de). Schon auf den ersten Blick lese ich: „Lust auf Wahlkampf und liberale Politik? Dann melde Dich bei uns, denn wir brauchen Freiwillige wie Dich! Sag uns einfach wer Du bist und wie Du die JuLis unterstützen möchtest. Wir melden uns bei Dir!“ Genau das habe ich gesucht, nach einem Klick lande ich bei einem Formular. Neben meinem Kontaktdaten gebe ich noch weitere Infos an. Kurz darauf habe ich eine Email in meinem Postfach. Ich werde geben, ein weiteres Formular, dieses mal als PDF, auszufüllen. Etwas ärgere ich mich, denn das hätte ich auch beim ersten mal alles ausfüllen können. Und jetzt wollen es die Julis ganz genau wissen: Was für Fähigkeiten habe ich, wo bin ich einsetzbar, welche Erfahrungen habe ich bereits. Ausfüllen und ab die Post.

Wenige später habe ich Post, dieses mal in meinem richtigen Briefkasten. Es schreibt mir Christine, die stellvertretende Bundesvorsitzende. Sie bedankt sich für die Unterstützung, nennt noch einmal die wichtigsten Themen der Julis und schickt mit Postkarten um weitere Freiwillige anzuwerben. Dann dauert es nicht lange bis zur nächsten Email. Ob ich nicht an einer Gamer-Demo in Karlsruhe teilnehmen will werde ich gefragt. Ich habe keine Zeit, aber ich lasse mit Julis-Aufkleber für mein Auto schicken. Ich habe das Gefühl, schon ein bisschen im Wahlkampf angekommen zu sein.
Irgendwann kommt eine Email, ob ich die Julis nicht bei Ihrer Wahlkampftour unterstützen möchte. Ich möchte, außerdem spende ich noch meinen Facebookstatus . Und schon bin ich mitten in der Kampagne.
Nur von den Liberalen auf meinem Ort hat sich noch niemand gemeldet…

Die Mitmach-Arena der FDP

Die Mitmach-Arena der FDP

Auf der Seite der FDP bin ich zwar schnell im Portal myFDP angemeldet. Doch neben einer ansprechenden Optik hat die Seite leider nicht viel zu bieten. Zwar finde ich einen Punkt der mich interessiert: Es gibt die Möglichkeit sich ehrenamtlich in der Wahlkampfzentrale zu engagieren. Eine Unterkunft gibt es dafür leider nicht, also verzichte. Ich höre mir noch die Wahllieder an, viel mehr interessantes finde ich leider nicht.