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Horst Köhler stürzt Lena Meyer-Landrut

Posted: Juni 14th, 2010 | Author: Jochen Barthel | Filed under: Allgemeines | Tags: | 30 Comments »

Wirtschaftskrise, Eurokrise, Koalitionskrise: Ende Mai waren wir in Deutschland äußerst krisengeplagt, zumindest medial, als Lena Meyer-Landrut aus Hannover für uns in den Chanson-Ring in Oslo stieg und das Unglaubliche erreichte: den ersten Platz. Vergessen waren alle schlechten Nachrichten der vergangenen Tage, Wochen, Monate. Wir waren froh.
Nach dem verpatzten Sommermärchen 2006 kommt Lena und gewinnt für uns alle. Wir sind Lena. Die Schlagzeilen am Tag darauf kennen nur ein Thema. In Hannover wird die Gewinnerin empfangen wie ein Staatsgast, die Kanzlerin lässt grüßen, der Ministerpräsident von Niedersachsen, Christian Wulff, erscheint persönlich und überreicht Blumen.

Lena Meyer-Landut (rot) und der ehemalige Bundespräsident (blau) in den Online-Medien.

Lena Meyer-Landut (rot) und der ehemalige Bundespräsident (blau) in den Online-Medien.

Katerstimmung
Aber die Freude währt nicht lange. Nach dem berauschenden Wochenende kommt der Kater am Montag um so heftiger, als Bundespräsident Horst Köhler seinen sofortigen Rücktritt verkündet. Wieder kennen die Nachrichten nur ein Thema. Lenas Stern droht nach nur zwei Tagen des Ruhms zu verglühen.
Medial war diese Reaktion nicht vorhergesehen worden. Nach einem Interview zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr fühlte sich Köhler missverstanden. Er wittert eine mediale Kampagne gegen ihn und gegen das Amt des Bundespräsidenten. Seine Entscheidung wird von großen Teilen der Bevölkerung bis heute nicht recht verstanden.

Unser Star für Bellevue
Da ist sie also wieder, die Krisenstimmung. Nach Oslo beginnt sofort die nächste Casting-Show. Gesucht wird dieses Mal unser Star für Bellevue. Medial ist die Resonanz auf Lenas Sieg und Köhlers Rücktritt durchaus vergleichbar. Beide Meldungen kamen überraschend und waren nach wenigen Tagen fast vergessen. Merkwürdig verbunden sind beide Themen mit der Person Christian Wulff, dem einzigen Profiteur beider Schlagzeilen. Kann der Bundespräsidentschaftskandidat der Koalition auf einer Welle des Erfolgs direkt von Lenas Empfang in Hannover nach Berlin surfen? Wie dicht Sieg und Niederlage bei einander liegen können, hat das letzte Mai-Wochenende ja gezeigt. Und die Medien lieben beides.



Horst geht, und es geht für viele aufwärts

Posted: Juni 3rd, 2010 | Author: Gregor Landwehr | Filed under: Ministerpräsidenten-Ranking | Tags: , , | 1 Comment »

Das Medienranking der Ministerpräsidenten

  • 1 Roland Koch
    Hessen
    mit 1892 aktuellen Erwähnungen
  • 2 1 Jürgen Rüttgers
    Nordrhein-Westfalen
    mit 664 aktuellen Erwähnungen
  • 3 1 Peter Müller
    Saarland
    mit 427 aktuellen Erwähnungen
  • 4 Stefan Mappus
    Baden-Württemberg
    mit 233 aktuellen Erwähnungen
  • 5 3 Matthias Platzeck
    Brandenburg
    mit 183 aktuellen Erwähnungen
  • 6 10 Horst Seehofer
    Bayern
    mit 172 aktuellen Erwähnungen
  • 7 4 Christian Wulff
    Niedersachsen
    mit 165 aktuellen Erwähnungen
  • 8 1 Kurt Beck
    Rheinland-Pfalz
    mit 117 aktuellen Erwähnungen
  • 9 4 Stanislaw Tillich
    Sachsen
    mit 114 aktuellen Erwähnungen
  • 10 4 Klaus Wowereit
    Berlin
    mit 98 aktuellen Erwähnungen
  • 10 2 Peter Harry Carstensen
    Schleswig-Holstein
    mit 98 aktuellen Erwähnungen
  • 12 3 Christine Lieberknecht
    Thüringen
    mit 27 aktuellen Erwähnungen
  • 13 3 Wolfgang Böhmer
    Sachsen-Anhalt
    mit 26 aktuellen Erwähnungen
  • 14 1 Ole von Beust
    Hamburg
    mit 25 aktuellen Erwähnungen
  • 15 1 Erwin Sellering
    Mecklenburg-Vorpommern
    mit 15 aktuellen Erwähnungen
  • 16 1 Jens Böhrnsen
    Bremen
    mit 11 aktuellen Erwähnungen
  • Auswertung vom 19.05.2010 - 26.05.2010, erstellt mit blueReport

Wie das Leben manchmal so spielt: Da verabschiedet sich Roland Koch von allen seinen politischen Ämtern und löst damit einen medialen Orkan (1892 Erwähnungnen) aus, und schon könnte er wieder auferstehen wie Phönix aus der Asche. Denn nach dem überraschenden Rücktritt von Horst Köhler könnte er auf bundespolitischer Bühne wieder zurück sein. Vorausgesetzt Ursula von der Leyen wir Bundespräsidentin und ein Ministerposten wäre so neu zu vergeben. Und vorausgesetzt Jürgen Rüttgers bliebe in Düsseldorf. Denn, so die zweite Variante, dieser verabschiedet sich in NRW und macht den Weg für eine große Koalition frei. Als Arbeitsminister wäre er gut versorgt – und Angela Merkel hätte ihn besser unter Kontrolle als in Nordrhein-Westfalen. Bei so vielen wenns und abers, bei so vielen Spekulationen schauen wir auf Platz 16. Dort steht Jens Böhrnsen. Mit medialer Aufmerksamkeit im großen Stil wird er selten bedacht. Das ändert sich, denn für die nächsten 30 Tage ist er unser Bundespräsident. So lernen wir den Sozialdemokrat endlich einmal etwas besser kennen. Horst geht, und es geht für viele aufwärts. Um die TAZ zu zitieren: „Da geht noch mehr!“