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Internet wird wahlentscheidend, doch Parteien nutzen es nicht

Posted: September 13th, 2009 | Author: Gregor Landwehr | Filed under: Bundestagswahl | Tags: , , | 36 Comments »

„Blogs und soziale Online-Netzwerke werden für die politische Kultur immer wichtiger, weil sie eine direkte Interaktion zwischen Bürgern und Politikern ermöglichen.“ Das sagt August-Wilhelm Scheer, Chef des Branchenverbandes Bitkom. In einer in seinem Auftrag durchgeführten Umfrage hat der Verband herausgefunden, dass fast 40 Prozent der Bürger per Internet direkt an Entscheidungen mitwirken wollen, bei den Jüngeren sind es sogar 46 Prozent.

Konkret würden 80 Prozent in ihrer Kommune Anregungen oder Beschwerden zu öffentlichen Leistungen per Internet vorbringen, zum Beispiel bei fehlenden Kita-Plätzen oder Problemen mit der Nahverkehrsanbindung. 58 Prozent würden Vorschläge zur Verwendung von Steuereinnahmen auf lokaler Ebene machen.

„Die Zustimmung zur Bürgerbeteiligung im Internet ist dann am größten, wenn es um das direkte Umfeld der Menschen geht“, sagte Scheer.
44 Prozent der wahlberechtigten Bundesbürger meinen, dass eine Partei ohne den Einsatz des Internets heute keine Wahl mehr gewinnen kann. „Das Internet wird zum zentralen Medium für die Kommunikation zwischen Politik und Bürgern“, so der Bitkom-Präsident.

So weit, so gut. Doch leider bieten die klassischen Parteiseiten oft nur wenig Beteiligungsmöglichkeiten. Anfrage laufen ins leere, die Verantwortlichen sehen das Internet nur als zusätzlichen Kanal, um ihre Botschaften zu verbreiten. An einem Dialog sind sie scheinbar wenig interessiert. Und so wundert es nicht, dass SPD, Grüne und CDU mit ihren Webseiten im Juli jeweils weniger als ein Promille der 62 Millionen Wahlberechtigten erreicht (Quelle: Google Ad Planner).

Auch wenn das Netzt einen großen Einfluss auf die Meinungsbildung ausübt, die Parteien nütz das wenig. Vielmehr haben klassische Medien hier einen größeren Einfluss. Denn: 81 Prozent der politisch interessierten Internetnutzer informieren sich bei den Online-Angeboten von Zeitungen, Magazinen oder TV-Sendern.

Und nicht zu unterschätzen sind auch die Online-Netzwerke: Mehr als jeder fünfte
Bundesbürger informiert sich bei Facebook, Xing, Youtube oder StudiVZ zu politischen Themen. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 28 Prozent.