politReport.de Parteien-IndexpolitReport.de Parteivorsitzende in den Medien

Beobachtungen aus dem Wahlkampf in Nordrhein– Westfalen

Posted: Mai 6th, 2010 | Author: Jan Günther | Filed under: Allgemeines | Tags: , | 6 Comments »

Der Landtagswahlkampf in NRW ist durchaus außergewöhnlich: Nachdem CDU und FDP nach Jahren das strukturell eher linke Land übernommen hatten, stehen sie nun vor der ersten Bewährungsprobe.
Noch vor einem halben Jahr setzte niemand auf Hannelore Kraft als Herausforderin der SPD. Doch heute wittert sie mit Silvia Löhrmann (Grüne) an ihrer Seite Morgenluft. Denn der CDU Ministerpräsident Rüttgers schwächelt und die Bundespolitik spielt ihm auch nicht in die Karten.

Onlinemedien-Präsenz der Spitzenkandidaten Rüttgers/CDU (schwarz), Kraft/SPD (rot), Löhrmann/ Die Grünen (grün), Pinkwart/FDP (gelb) sowie Beuermann und Zimmermann/Die Linke (magenta) im Vergleich

Onlinemedien-Präsenz der Spitzenkandidaten Rüttgers/CDU (schwarz), Kraft/SPD (rot), Löhrmann/ Die Grünen (grün), Pinkwart/FDP (gelb) sowie Beuermann und Zimmermann/Die Linke (magenta) im Vergleich

Doch wie verhalten sich die Parteien im Wahlkampf, um ihr Ziel, die Regierungsbildung zu erreichen? Hannelore Kraft verhält sich äußerst zurückhaltend, getreu dem Motto „bloß niemanden verschrecken.“ Dies spiegeln auch die Wahlplakate wieder. Schlüsselbegriffe sind hier etwa „Sympathie“, „Freude“ und „Hoffnung“. Jedoch nirgends ein direkter Angriff auf die Regierungsparteien oder den Ministerpräsidenten, der genügend Angriffsfläche bieten würde. Bei allen Stolperern des Jürgen Rüttgers verhielt sich Kraft zurückhaltend und vermied Angriffe auf seine Person. Selbst im TV Duell blieb sie stets sachlich, aber bestimmend. Rüttgers selbst präsentierte sich sehr staatstragend und unantastbar in den TV Runden Vielleicht liegen seine Popularitätswerte auch deshalb mittlerweile hinter denen von Kraft.

Der wendige Rüttgers und seine angeschlagene NRW CDU verlieren immer mehr an Boden. Dies könnte auch an dem merkwürdigen Wahlkampf liegen. Zwar menschelt Rüttgers mit seiner Reihe „Ein Abend mit Jürgen Rüttgers“ genauso wie Hannelore Kraft, jedoch fehlt das „menscheln“ auf den Wahlplakaten. Jürgen Rüttgers wird als Mensch mit Kompetenz verkauft, was nach den letzten Affären nicht glaubwürdig wirkt. Dies gilt genauso wenig wie die Plakate, mit der Aufschrift „Rot-Rot“ verhindern. Dies ist die Koalition, die am unwahrscheinlichsten ist. Während also die SPD aufs Menscheln setzt, setzen die Grünen auf solide Themen. Neben den Klassikern wie „Atomkraft: Nein Danke“, bleiben die Grünen ihrer kreativen Linie treu und erfinden ansprechende Slogans wie zum Beispiel „A, B, CDU und raus bist du“, eine Anspielung auf die Bildungspolitik. Die Grünen präsentieren sich sachlich, bodenständig und steuern einen klaren pragmatischen Kurs irgendwo zwischen SPD und CDU an.

Dies machte Grünen Vorsitzende Löhrmann auch durch ihr Auftreten in der Elefantenrunde am Mittwoch klar „Gemeinschaftsschulen ja, aber nicht gegen die Eltern“, sie verstand es zudem Ministerpräsident Rüttgers in seine Schranken zu weisen was Kraft vermied. Ihr direkt Konkurrent war allerdings nicht Rüttgers sondern Innovationsminister Pinkwart von der FDP. Der in der Elefantenrunde dauerlächelnde FDP-Mann wünscht sich „Aufstieg durch Bildung“, zumindest laut Wahlplakaten. Dies dürfte aber in Zeiten von Studiengebühren genauso zu einem Lachen der Wähler führen wie die CDU Plakate. Pinkwart hatte im TV außer seinem Lächeln kaum Argumente, die für die FDP sprachen. Die Liberalen sind in den Medien auch wenig präsent und verstehen es nicht, aus den Fehlern der CDU Kapital zu schlagen. Bei der Linken hingegen weiß man nicht, wofür sie kämpft. Sie plakatiert weiterhin ihre Slogans wie „Raus aus Afghanistan“, was das mit der Wahl in NRW zu tun hat bleibt fraglich. Der Spitzenkandidat der Linken Wolfgang Zimmermann hatte auf die Frage, wie seine Forderungen nach seinen finanziellen Wohltaten finanziert werden sollten, leider nur Möglichkeiten auf der Bundesebene im Angebot. Ob das die Wähler überzeugt?

Am Ende bleibt die spannende Koalitionsfrage offen. Denn eigentlich schließt keiner etwas wirklich aus. Die Grünen schließen Jamaika aus sowie ein Linksbündnis aus SPD, Grünen und der Linken. Die anderen Parteien sagen lediglich, mit wem sie regieren wollen. Und so ist am Ende doch noch alles offen.



Ein Wahlkämpfer und die Frauen

Posted: April 18th, 2010 | Author: Simone Wagner | Filed under: Allgemeines, Ministerpräsidenten-Ranking | Tags: , , | 3 Comments »

Das Medienranking der Ministerpräsidenten

  • 1 Jürgen Rüttgers
    Nordrhein-Westfalen
    mit 505 aktuellen Erwähnungen
  • 2 Peter Müller
    Saarland
    mit 283 aktuellen Erwähnungen
  • 3 Roland Koch
    Hessen
    mit 255 aktuellen Erwähnungen
  • 4 4 Horst Seehofer
    Bayern
    mit 253 aktuellen Erwähnungen
  • 5 1 Christian Wulff
    Niedersachsen
    mit 194 aktuellen Erwähnungen
  • 6 2 Klaus Wowereit
    Berlin
    mit 185 aktuellen Erwähnungen
  • 7 5 Ole von Beust
    Hamburg
    mit 115 aktuellen Erwähnungen
  • 8 3 Kurt Beck
    Rheinland-Pfalz
    mit 110 aktuellen Erwähnungen
  • 9 3 Stanislaw Tillich
    Sachsen
    mit 89 aktuellen Erwähnungen
  • 10 1 Matthias Platzeck
    Brandenburg
    mit 70 aktuellen Erwähnungen
  • 11 3 Christine Lieberknecht
    Thüringen
    mit 56 aktuellen Erwähnungen
  • 12 2 Stefan Mappus
    Baden-Württemberg
    mit 53 aktuellen Erwähnungen
  • 13 Wolfgang Böhmer
    Sachsen-Anhalt
    mit 36 aktuellen Erwähnungen
  • 14 1 Erwin Sellering
    Mecklenburg-Vorpommern
    mit 33 aktuellen Erwähnungen
  • 15 1 Jens Böhrnsen
    Bremen
    mit 29 aktuellen Erwähnungen
  • 16 5 Peter Harry Carstensen
    Schleswig-Holstein
    mit 7 aktuellen Erwähnungen
  • Auswertung vom 07.04.2010 - 14.04.2010, erstellt mit blueReport

Deutschalnd dreht sich im Moment um NRW und so bleibt Jürgen Rüttgers mit Abstand unangefochten auf Platzt 1 des Medienpräsenz-Rankings der Ministerpräsidenten. In den Umfragen sieht es allerdings nicht mehr so rosig für den amtierenden Ministerpräsidenten aus. In der Forsa-Umfrage vom 14.04.2010 kommen SPD und Grüne ebenso wie CDU und FDP jeweils gemeinsam auf 45% der Stimmen. Neben der stetig abnehmenden Zustimmung für die FDP, ist das Problem von Jürgen Rüttgers vor allem weiblich. Für Hannelore Kraft und die SPD gehen die Umfragewerte seit Wochen nach oben und auch in Sachen Medienpräsenz steht die Herausforderin ihm in nichts nach.
Bei dem zweiten weiblichen Problemfall handelt es sich um die bis vor kurzem nicht groß bekannte Innenministerin des Landes Roswitha Müller-Piepenkötter. Nach dem Mord an einer Frau in der sogenannten “Liebeszelle” der Haftanstalt Remscheid, war sie in die Kritik geraten. Während Süddeutsche.de sie heute den “Klotz am Bein von Jürgen Rüttgers” nannte, bliebt diesem im Moment wohl nicht viel anderes übrig, als sich hinter seine Ministerin zu stellen. Unruhen im Kabinett ist das letzte was sein Wahlkampf jetzt gebrauchen könnte.
Am 9. Mai wird gewählt und dann wird sich auch zeigen wie groß das weibliche Problempotential tatsächlich ist.



Demokratiecheck oder Wo sind sind all die Mädchen hin, was ist geschehen?

Posted: März 23rd, 2010 | Author: Anne Straube | Filed under: Allgemeines | Tags: , , , | 8 Comments »

„Das ist Demokratie, das Publikum hat entschieden.“ (Stefan Raab nach der Entscheidung, welcher Song in Oslo aufgeführt wird)

Bald ist wieder Wahltag.
Im Mai sind wieder viele Menschen aufgerufen im Namen der Demokratie ihre Stimme abzugeben. Ihre Stimme für den Kandidaten, der sie überzeugt.
Ja im Mai passiert es wieder: Europa wählt seinen Schlagerstar und NRW seinen Politstar.
Auch junge Frauen zwischen 18 und 25 Jahren sind aufgerufen es zu tun. Allerdings mit verschiedenem Erfolg: Des einen Hauptzielgruppe ist des anderen Problemfeld.
Den größten Erfolg und somit auch den größten Teil der beträchtlichen Einnahmen bringt genau jene Gruppe den Fernsehsendern, die bei der Landtagswahl 2005 unterdurchschnittlich wenig an die Urnen ging - junge Frauen aus sozialschwachen Verhältnissen.

Lena Meyer-Landrut (blau) und die NRW-Wahl (schwarz) im Vergleich

Lena Meyer-Landrut (blau) und die NRW-Wahl (schwarz) im Vergleich

An der medialen Präsenz kann es nicht liegen, die NRW-Wahl ist bereits Monate vor der Wahl präsenter als Stefan Raab und unser Girl für Oslo - Lena Meyer-Landrut.
Ist es also ein Mittel gegen Demokratieverdrossenheit, den Bundestag künftig auch via Telefon-Ted wählen zu können? Oder reicht vielleicht schon das Auslosen eines Autos unter allen (Wahl)-Teilnehmern?
Ein Chauvinist, wer böses dabei denkt.